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Elmar Nass, Prof. für Wirtschafts- und Sozialethik WLH Fürth

Weihnachten ist Tradition. Tradition ist von gestern. Warum sollte davon in Zukunft etwas übrig bleiben? Panta rhei (πάντα ῥεῖ), alles fließt und entwickelt sich weiter, sei es durch Revolution oder Evolution. Auch in Fragen des Glaubens: Aufsehen erregt nicht das Festhalten an Überlieferungen, sondern der Bruch mit dem Bekannten: Theologie wird öffentlich gehört, wenn sie das Gottsein Jesu bestreitet, die Auferstehung als bloße Metapher relativiert oder zu einer Meta-Religion des Weltethos aufruft. Der Wissenschaftstheoretiker Karl Popper versteht Fortschritt als die fortlaufende Wiederlegung überlieferter Scheinwahrheiten. Kann und soll dann in Zukunft noch etwas von christlichem Glauben und Weihnachten bleiben? Vieles spricht dafür, Neues an die Stelle dieser Tradition zu setzen: 1.) In der Vergangenheit war sie verantwortlich für Kriege, Fanatismus, Unterdrückung. Sie scheint also unmoralisch. 2.) Auch mutet sie uns Zweifel an ihrer Plausibilität zu: Die Legende der Jungfrauengeburt gab es auch im Buddhismus. Die Idee der Auferstehung scheint utopisch. Und wann endlich soll Jesus denn wiederkommen? All das klingt unvernünftig. 3.) Außerdem stimmen die Menschen mit den Füßen ab und wenden der Kirche den Rücken zu. Das ist ein empirischer Beleg. Christlicher Glaube scheint also nicht nur unmoralisch und unvernünftig, sondern auch erwiesenermaßen überholt.

Fortschritt heißt aber nicht zwangsläufig den Bruch mit aller Tradition. Papst Franziskus fordert von uns, Fortschritt immer auch menschlich zu sehen. Gut ist dann das Neue nur, wenn es dem Menschen dient. Dazu zählen sicher viele technische Errungenschaften. Auch die Menschenrechte, das Bemühen um ein geeintes Europa oder die christliche Ächtung von Glaubenskriegen gehören sicher dazu. Aber leider ist nicht alles immer nur besser geworden im Laufe der Geschichte. Das 20. Jahrhundert brachte die größte Barbarei. Auch heute noch gibt es im Namen Gottes Krieg und Terror. Auch heute erleben wir massenhaft Flucht und Hunger. Das Familienbild in unserer Gesellschaft zerfließt und die Anonymität nimmt zu. Offenbar haben wir Menschen nicht genug gelernt aus der Geschichte. Gute Tradition könnte dazu ein Kompass sein. Schauen wir etwa auf die großen Quellen unserer Werte: Aristoteles und Platon lehrten uns das Gute und die Gerechtigkeit. Jesus lehrte uns die Liebe zu Gott, zu uns selbst und dem Nächsten. Immanuel Kant lehrte uns das Vertrauen auf die Vernunft. Damit müssen wir nicht brechen, wenn wir modern sein wollen. Im Gegenteil.

Gerechtigkeit, Liebe und Vernunft sind ohne ihre Begründung bloße Postulate und Appelle. Reiße ich Christus heraus, fehlt die Liebe. Reiße ich Gott heraus, fällt auch bei Kant das Vernunftgesetz in sich zusammen. Reiße ich die transzendente Idee des Guten heraus, fehlt der griechischen Philosophie das Ziel der Gerechtigkeit. Ohne Tradition gibt es keinen guten Wertekompass. Auch heute an Weihnachten 2017 Jesus mitzudenken, ist moralischer, vernünftiger und aktuell. Denn Er ist Gott und das Gute. Mit ihm hat die Gerechtigkeit ein Ziel, die Vernunft einen Sinn und menschliche Leidenschaft für Sinn und Ziel eine gute Seele.

 

Weihnachten als Wertekompass
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