fbpx

von Martin Oppelt, B.Sc., Fürth

Der Energiekonzern RWE plant den Hambacher Forst (in NRW) zu roden, um die Braunkohle fördern zu können. Dafür hat der Konzern die Räumung des letzten noch verbliebenen Bereiches Wald veranlasst, der von Aktivisten besetzt ist. Ein Mensch ist im Zuge dieser Räumung bereits gestorben.

Im Hambacher Forst geht es mittlerweile nicht mehr „nur“ um den Erhalt des Waldes und den Ausstieg aus der Kohle-Energie. Es geht auch um die Macht des Lobbyismus gegenüber der Demokratie. Es wird von mehreren tausend Demonstranten gesprochen, von einer angespannten Lage, aber weitestgehend friedlichen Protesten. Jedes Wochenende kommen Menschen aus ganz Deutschland zusammen, um gegen die geplante Rodung zu demonstrieren.

Neben den Demonstrationen vor Ort hat sich auch ein Hackernetzwerk eingeschalten, um dem Energiekonzern die Arbeit zu erschweren, in dem es die Internetseite von RWE überlastet hat. Der Konzern erstatte daraufhin Anzeige gegen unbekannt. Anderswo ketten sich Menschen an die Gleise, um den Kohleabtransport von RWE zu verhindern. Was kann ein Volk mehr tun um seinen Willen kund zu geben, ohne dabei Gewalt anzuwenden?

Deutschlands Bundesregierung beschreibt ihr Wesen und Motiv nach außen gerne mit Begriffen wie der „Nachhaltigkeit“ und der „Demokratie“. Eine klare Stellungnahme bezüglich der Rodung und Demonstrationen dagegen sucht man bisher vergebens (Stand 25.09.2018). Die gewaltsame Räumung (die Polizei selbst spricht dabei von Zwang anstelle von Gewalt) des Waldes scheint gegen den demokratischen Willen des Volkes zu geschehen. Die geplante Rodung scheint ebenfalls gegen den Willen des Volkes zu geschehen.

Soviel zum demokratischen Teil – jetzt zum nachhaltigen. Dazu ein paar Fakten, entnommen aus der Stellungnahme der Deutschen Waldjugend – der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bundesverband e. V.: Der Hambacher Forst ist 12.000 Jahre alt und bietet 140 geschützten Arten eine Heimat. Durch die Rodung wird neben dem Altholz auch der aufgrund des Alters so nährstoffreiche Boden verloren gehen. Die Stellungnahme beschreibt es weiterhin als fraglich, ob eine Neubepflanzung einen Ersatz für die Altbestände darstellen kann.

Da es momentan von der Regierung im Bund oder in NRW selbst keine Bemühungen gibt diesen Abschnitt des Waldes zu bewahren, wirkt auch der Begriff der Nachhaltigkeit deplatziert, um das Motiv dieser Regierungen zu beschreiben. Das die Energiegewinnung aus Braunkohle ohnehin nichts mit Umweltbewusstsein oder Nachhaltigkeit zu tun hat, muss dazu nicht einmal mehr erläutert werden.

Das Thema um den weiterhin geplanten Kohleabbau von RWE ist natürlich noch viel umfangreicher, als es hier beschrieben werden kann. Denn nicht nur der Wald muss diesem Abbau weichen: Es sind ganze Dörfer. Anfang des Jahres war es das Dorf Immerath, und weitere Dörfer sollen folgen. Das ist die Macht der Konzerne gegenüber dem Bürger, dem es gestattet ist friedlich zu demonstrieren, wenn ihm Haus und Land genommen werden.

Jeder einzelne sollte sich ein eigenes Bild von der Lage und den Umständen Rund um den Hambacher Forst machen. Weiterhin sollte jeder Einzelne für sich bewerten, ob das Vorgehen, welches die Regierung hier zeigt, so richtig ist. Zuletzt bleibt dann die Frage offen: Möchte ich in einem Land leben, deren Regierung in so einer Situation auf diese Weise handelt? Ich möchte das nicht.

Was bedeutet der Konflikt um den Hambacher Forst?

Ein Gedanke zu „Was bedeutet der Konflikt um den Hambacher Forst?

  • 13. November 2018 um 8:04
    Permalink

    Hallo, Martin.
    Die Demokratie ist immer so eine Sache. Ein zweifelsohne gutes Konzept, dass aber immer daran scheitert, dass viele einfach keine Energie aufwenden. Man schaue sich mal an, wie viele Leute überhaupt bereit sind, an den Wahlen teilzunehmen. Eigentlich müsste sich die Wählerquote in einem Bereich von um die 90% Prozent liegen, davon sind wir aber noch ganz schön weit entfernt. So löst sich die Demokratie dann auf, bis Konzerne und Politiker eben dass du tun, was sie für richtig halten.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.