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von Alicia Albrecht und Klara Steenken, 12. Klasse am Landesgymnasium Sankt Afra zu Meißen

Die Debatte um Sexismus in der Sprache ist spätestens seit der Forderung der Gleichstellungsbeauftragten Kristin Rose-Möhring im Bundesfamilienministerium, Bestandteile der Nationalhymne politisch korrekt umzugestalten, neu aufgebrandet. Wie sexistisch ist Sprache wirklich und ist es berechtigt, sich durch sie diskriminiert zu fühlen?
De facto ist Sprache als menschliches Konstrukt seit der Zeit ihrer Existenz zur Differenzierung bestimmt. So ist es wichtig zu betonen, dass das Wort „diskriminieren“ in seiner ursprünglichen Bedeutung nicht mit dem Begriff „benachteiligen“ gleichzusetzen ist, sondern eher als „unterscheiden“ gesehen werden muss. Die „Diskriminierung“ in der Literatur entsteht somit durch naturgegebene Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
Es ist in diesem Sinne offensichtlich, dass Wörter in ihren Geschlechtern in feminin, maskulin und neutrum unterschieden werden. Würde man der Debatte um Diskriminierung in ihrer Forderung um absolute Gleichstellung von männlichen und weiblichen Wörtern nachgeben, müssten für jedes Wort fortan die Artikel „der“, „die“ und „das“ gelten. Dies wäre dahingehend nicht wünschenswert, da die Artikel ein enorm wichtiger Teil der deutschen Sprache sind.
Zudem muss beachtet werden, dass zahlreiche Wörter in ihrer Bedeutung historisch vorgeprägt sind und die Benutzung gemäß ihrer Bedeutung in jeder Hinsicht legitimiert ist. Im alten Sprachgebrauch war die Bezeichnung „Dame“ eine höfliche Anrede für die Frau, wohingegen sie gegenwärtig häufig negativ konnotiert verwendet wird. Diese Entwicklung sollte nicht der Sprache zur Last gelegt werden, sondern dem Sprecher bzw. seiner sexistischen Einstellung, die in der gewollten Diffamierung des weiblichen Geschlechts kulminiert. Sexismus existiert hingegen dort als Ausdruck von Sprache, wo ein Wort in seiner ursprünglichen sexistischen Bedeutung erhalten geblieben ist, wie es beispielsweise bei „Kaffeetante“, „Schreckschraube“ und „dumme Gans“ der Fall ist, wie die Sprachwissenschaftlerin Senta Trömel-Plötz betont.
In Annahme der Benutzung eines derartigen Begriffs ist jedoch hinzuzufügen, dass sich die Verwendung eines der obigen Begriffe häufig auf die einzelne Person, ihren Charakter oder bestimmte Eigenschaften konzentriert und nicht auf die Diffamierung des Geschlechts im Allgemeinen. Zudem existieren für Männer ähnlich beleidigende und im Sinngehalt kaum unterschiedliche Wörter, wie die Beispiele „Lackaffe“ sowie „Hornochse“ verdeutlichen. Trömel-Plötz spricht sich dagegen aus, dass Formulierungen wie „Rechtsanwalt“ und „Kunde“ vorrangig mit Männern assoziiert würden und die Frauen somit durch die Verwendung derartiger Begriffe ausgegrenzt werden. Betrachtet man diese Begriffe jedoch objektiv, so sind sowohl Frauen als auch Männer und diejenigen diversen Geschlechts inkludiert. Wird also der Höherstellung der weiblichen Subjektive übermäßige Aufmerksamkeit geschenkt, wird man sich gezwungenermaßen in absehbarer Zeit auch den Männern widmen und sich fragen müssen, ob der Mann nicht auch benachteiligt, weil die dritte Person Plural grundsätzlich mit „sie“ gebildet wird.
So appellieren wir gegen die Umstrukturierung von historisch gewachsenen und allgemein akzeptierten Sprechweisen und für einen lockeren – jedoch nicht beleidigenden oder diffamierenden – Umgang mit einer Sprache, die von Natur aus Unterschiede macht, wo auch Unterschiede bestehen. Denn nur der Sprecher dieser Sprache ist in der Lage, sie im Sinne des Sexismus zu missbrauchen und auf ebenjenem sollte auch der Fokus im Umgang mit Diskriminierung liegen.

Sind Frauen in grammatikalischer Hinsicht auch nur Männer?
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Ein Gedanke zu „Sind Frauen in grammatikalischer Hinsicht auch nur Männer?

  • 16. Mai 2019 um 18:31
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    Na das sind aber zwei eloquente Schülerinnen…
    Der Argumentation ist nichts hinzuzufügen.

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