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von Katharina Sonntag, B.Sc.

Ein Heimatbesuch stand an, und so saß ich im Zug zu meiner Familie. Voller Vorfreude und Heimweh blickte ich aus dem Fenster. Heimat – ein Ort von Geborgenheit und dem Gefühl bedingungslos angenommen und geliebt zu sein. In dieses Gefühl und die damit verbundenen Gedanken versunken, wollte ich mir eben meine Kopfhörer aufsetzen und Musik hören.
Doch genau in diesem Moment kam ein älteres (Ehe)paar an mir vorbei, setze sich auf den leeren Sitz vor mir, und die Worte ihrer Unterhaltung drängten sich unweigerlich in mein Ohr und hatten meine ungeteilte Aufmerksamkeit.
„Hauptsache irgendwo einen Platz finden, wo nicht ganz so viele Ausländer sitzen.“
Auch wenn ich diesen Satz ohne den Gesamtzusammenhang hörte, löste er in mir eine Welle der Verzweiflung, Wut und Traurigkeit aus und führte zu einer Flut von Gedanken, vor allem im Bezug zur Bedeutung von Heimat. Zunächst einmal – sind wir nicht alle irgendwo auf der Welt Ausländer? Und bedarf es denn überhaupt den Begriff Ausländer? Kann es überhaupt Grenzen geben? Gerade vor dem Hintergrund der ganzen Flüchtlingsthematik kam mir die Frage, wer eigentlich das Recht hat zu bestimmen, wo wir leben wollen?  Denn sind wir eben nicht einfach alle nur Menschen, die auf ein und der selben Erde leben? Sind all diese Grenzen nicht nur menschengemacht? Und haben letztlich Grenzen in unserem Kopf entfacht?
Wer sagt uns denn, wo wir zu Hause sind? Ist die Welt nicht Heimat aller Menschen?
Muss Heimat denn örtlich gebunden sein? Oder sind es nicht viel mehr die Menschen mit denen wir beisammen sind?Geborgenheit und Liebe fühlen? Kann ich nicht Heimat auch in mir selbst finden? In mir zur Ruhe kommen und inneren Frieden erlangen?
Für mich ist Heimat genau das: grenzenlose Liebe, Geborgenheit, bedingungslos Angenommensein, Ankommen und Ruhe in sich finden. Die von uns errichteten Grenzen, welche so voller Vorbehalte sind, sollten abgerissen werden. Denn Heimat ist fernab jeden Ortes. Heimat liegt in uns und wir können sie jedem geben.
Und jeder sollte jedem Menschen, egal welcher Herkunft, mit Heimat begegnen.

 

Reise nach Hause

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