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Verena Walter, Studentin „Gesundheitswirtschaft und Ethik M.A.“ an der Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth

Die Bedürfnisse der Menschen sind unbegrenzt, die Mittel zur Befriedung jedoch begrenzt, dies führt zur Knappheit. Gerade im Gesundheitswesen ist die Mittelknappheit allgegenwertig und wird sich in Zukunft unter anderem durch den medizinischen Fortschritt und den demografischen Wandel verschärfen. Daher sind Überlegungen anzustellen, wie man im Gesundheitswesen rationieren kann.

In Großbritannien wird das Problem über das verwenden des QALY-Konzeptes gelöst. QALY steht für Quality Adjusted Life Year bzw. man spricht von qualitätsbereinigten/qualitätskorrigierten Lebensjahren. Zur Bewertung von Interventionen im öffentlichen Gesundheitswesen stellt National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Kosten-Nutzen-Überlegungen an. Dabei werden Interventionen als kostengünstig angesehen, wenn sie dem NHS weniger als £ 20.000 pro QALY kosten. Interventionen, die bis zu £ 30.000 pro gewonnenem QALY kosten, werden ebenso als günstig anerkannt, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden (vgl. NICE 2017). NICE erstellt Leitlinien im Hinblick auf Kosteneffektivitätsberechnungen, die der National Health Service (NHS) dann befolgt. So werden bestimmte Leistungen und Medikamente wegen ihrer Bewertung nicht mit in den Leistungskatalog aufgenommen.

Das Konzept macht es möglich, das „größte Glück der größten Menge“ zu evaluieren, da man darstellen kann, welche Behandlungsmethode mehr „Glück“ in Form von QALYs produziert (vgl. Dengler, K., Fangerau H. 2013 S. 86 f.). Jedoch fließen hier nicht die Präferenzen eines Individuums mit ein, sondern es wird die gesamte Bevölkerung betrachtet. Diese Grundgedanken sind auf den Utilitarismus zurückzuführen, der sich hinter dem QALY-Ansatz verbirgt. Das Modell hat auch in seiner Anwendung auch Nachteile. Es ist schwierig, Lebensqualität zu messen, da diese subjektiv ist und es kein einheitliches Verfahren gibt, sie zu messen. So kann es durch unterschiedliche Vorgehen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen (vgl. Repschläger, U., et al. 2010 S. 37 f.). Auch stellt sich die Frage, bei wem man die Lebensqualität messen sollte. In der Regel werden gesunde Menschen befragt, diese tun sich jedoch oftmals schwer, sich in die Situation einer Krankheit zu versetzen bzw. schätzen sie anders ein (vgl. ebd. S. 38 f.).

Weiterhin werden Lebensdauer und Lebensqualität nicht gewichtet und werden somit gleichwertig in die Berechnung eines QALYs einbezogen. Es ist allerdings fraglich, ob alle Varianten der Zusammensetzung eines QALYs gleichwertig sind. Z. B. ob man ein Jahr mit perfektem Gesundheitsstand, fünf Jahre mit einem halb so guten Gesundheitsstand oder auch zehn Jahre in sehr schlechter Gesundheit verbringt ist sehr subjektiv und schwer zu generalisieren (vgl. Tunder, R., Martschinke, B. 2014 S. 8). Wie auch beim Utilitarismus wird bei dem Konzept der gesellschaftliche Nutzen (in Form der gewonnenen QALYs) gemessen, was zur Benachteiligung von Einzelnen oder bestimmten Gruppen führen kann. Denn es ist dabei egal, ob zehn Personen ein Lebensjahr oder eine Person zehn Lebensjahre gewinnen (vgl. Repschläger, U., et al. 2010 S. 41).

Angesichts der Mittelknappheit im Gesundheitswesen, stellt sich die Frage ob das Modell auch in Deutschland auf das gesamte Gesundheitswesen, also auch im GKV-Bereich angewandt werden sollte. Meiner Meinung nach, was durch das Aufzeigen der Grenzen schon deutlich wurde, wäre das keine gute Möglichkeit um den begrenzten Ressourcen zu begegnen. Jedoch stellt sich die Frage welche Alternativen bleiben.

 

Literaturverzeichnis

Dengler, K., Fangerau H. (2013): Zuteilungskriterien im Gesundheitswesen: Grenzen und Alternativen. Eine Einführung mit medizinethischen und philosophischen Verortungen. Transcript Verlag, Bielefeld

NICE National Institute for Health and Care Excellence (2017): Judging whether public health interventions offer value for money. Verfügbar unter: https://www.nice.org.uk/ advice/lgb10/chapter/judging-the-cost-effectiveness-of-public-health-activities (Letzter Zugriff: 10.03.2017)

Repschläger, U., Schulte, C., Osterkamp, N. (2010): Barmer GEK. Gesundheitswesen aktuell 2010. Barmer GEK, Düsseldorf

Tunder, R., Martschinke, B. (2014): Der QALY-Ansatz: Wo liegen seine Potentiale und wo seine Grenzen. Der Urologe, Heft 1/2014. Schwerpunkt Gesundheitsökonomie

 

QALY
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