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Mag. Dr. Maria Raphaela Hölscher, Obfrau und Präsidentin der Johannes-Messner-Gesellschaft in Wien

In Jahren der sozialen und pastoralen Arbeit stellten sich mir immer wieder Fragen, die substanzielle Antworten auf folgende Lebenssituationen verlangten: Es war bei der Begegnung mit Frauen, die eine Abtreibung vornehmen lassen wollten. Hier stellte sich unter anderem die Frage nach dem Lebensrecht des Kindes, das sich noch nicht äußern und für seine Rechte eintreten kann. Es war bei der Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen und ihrer Angehörigen die Frage: warum muss jemand dies erleiden, kann dem aktiv kein Ende gesetzt werden? Es war das Problem der aktiven Euthanasie und des christlich verstandenen Rechts des Menschen auf ein Leben bis zum natürlichen Tod. Bei der katechetischen Arbeit in Albanien kamen Menschen zusammen, die aufgrund ihres Glaubens gequält und jahrelang in Arbeitslagern inhaftiert waren. Ihr Recht auf Religions- und Meinungsfreiheit war unter der Diktatur von Enver Hoxha mit Füßen getreten worden. Warum war das ein so großes Unrecht?

In den oben aufgezeigten Lebenssituationen waren Menschen mit der Frage konfrontiert: Was ist der Mensch? Woher hat er seine Rechte?

Eine Antwort habe ich in der Rede von Papst Benedikt XVI. vor dem Deutschen Bundestag am 22. September 2011 erhalten.  In ihr hat er ein Recht angesprochen, das die Quelle von Normen und Prinzipien ist, auf denen auch das Gesetzesrecht ruht – das Naturrecht.

Das Naturrecht ist die Grundlage des freiheitlichen Rechtsstaates, erklärte Papst Benedikt XVI. den deutschen Politikern bei seiner Rede. Es schützt den einzelnen Menschen vor der Willkür von Regierungen. Ohne Naturrecht, ohne ein höheres, über aller Menschensatzung stehendes Recht, gibt es keine Rechtsstaatlichkeit, kein Aufstehen gegen bestehendes, staatlich festgeschriebenes Unrecht. Denn dabei muss man sich immer auf eine höhere, dem Staat übergeordnete Gerechtigkeit berufen, sonst geht es einfach nicht und man setzt sich selbst in ein neues, eben wieder nur von Menschen gemachtes Unrecht.

 

Vielleicht laden diese kurzen Gedanken ein, sich intensiver mit dem Naturrecht zu beschäftigen? Es lohnt sich!

Naturrecht – eine Antwort auf eine existentielle Frage?
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