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von Amany Ramadan, Hiwi am WLE und stud. Gesundheitsökonomie und Ethik

Die sachgerechte Müllentsorgung ist heutzutage ein sehr wichtiges globales Thema. Manche Länder leiden mehr darunter als andere. Ganz besonders ist mir dies im Libanon aufgefallen. Der Libanon ist ein kleines Land am östlichen Mittelmeer, mit wunderschönen alten Städten, Stränden und Berglandschaften. Der Libanon leidet allerdings unter einem großen Müllproblem. Wenn dagegen nicht bald etwas unternommen wird, kann es sein, dass man in absehbarer Zukunft vor lauter Abfall nicht mehr im Meer schwimmen oder Fische angeln kann. Da ich zum Teil aus dem Libanon abstamme und selbst diese Problematik im Laufe der Jahre mitbekommen habe, liegt mir dieses Problem sehr am Herzen, und ich halte es persönlich für nicht ethisch zumutbar, unter welchen Umständen die Menschen im Libanon angesichts dieses Problems leben müssen.

Vor ein paar Jahren hat sich in der kleinen Fischerstadt Sidon ein Riesen Müllberg am Strand gebildet, welcher nach Überlagerungen schließlich ins Meer gerutscht ist. Der Müll hat sogar Zypern und Israel erreicht. Dieser Berg wurde schließlich mit ausländischer Unterstützung abgebaut und in einen öffentlichen Park umgewandelt. Sidon ist allerdings nicht die einzige Stadt mit einem Müllproblem. Das ganze Land hat damit zu kämpfen, mal mehr und mal weniger. Ein großer Wendepunkt in der Geschichte des Müllproblems war das Jahr 2015, als die Regierung eine der wichtigsten Mülldeponien in Beirut geschlossen hat und die Verträge mit den Müllentsorgungsunternehmen nicht verlängert wurden. Dies hat dazu geführt, dass der Müll sich in und außerhalb der Stadt angehäuft hat und nicht abgeholt wurde. Die Bevölkerung der Hauptstadt hat vor Verzweiflung angefangen, den eigenen Müll zu verbrennen, wodurch die ganze Stadt praktisch unter Rauch und verbranntem Müllgestank leiden musste. Eine vorübergehende Notlösung von der Regierung war zum einen, den Müll mit Schiffen aus dem Land zu exportieren, welches allerdings auf Dauer nicht das Müllproblem des Landes löst. Die Bevölkerung schiebt die Schuld des Problems auf die Regierung und die Politiker. Es wird sogar von einer „Müll Mafia“ gesprochen. Aus dem Umkreis im Libanon wurde mir auch gesagt, dass es tatsächlich Länder gibt, die angeboten haben, den Müll abzukaufen, um ihn zu recyceln. Der Staat aber hat aus mir unverständlichen Gründen solche Angebote abgelehnt. Wenn gegen dieses Müllproblem weiterhin nichts unternommen wird, wird dies zu Schäden für Umwelt und Gesundheit in der Bevölkerung führen, wenn dies nicht mittlerweile schon passiert ist. Etwa die Verschmutzung des Meeres verursacht, dass die Wasserqualität sich verschlechtert und die Meerestiere erkranken bzw. eingehen.

Um die Situation verbessern zu können und dauerhaft das Problem des Mülls zu beseitigen, müsste man die Ursachen erkennen und verhindern. Meiner Meinung nach sollte man auf den verschiedensten Ebenen (Makro- bis Mikroebene) Veränderungen durchführen und Präventionsmaßnahmen ergreifen. Im Blick auf die einzelnen Individuen kann man versuchen, durch Aktionen oder Aufklärungen das persönliche Entsorgungsverhalten zu ändern, etwa durch die Einführung von Mülltrennung, Verpackungsreduzierung und die Einführung von Pfand. Auf der Ebene der Gesetze und Regelungen könnte man versuchen, die Rivalität der privaten Entsorgungsfirmen aufzuheben und ein einheitliches oder staatliches System einführen, um die sogenannte „Müll Mafia” zu bekämpfen. Das hängt allerdings auch mit der aktuellen Regierungskonstellation zusammen. Denn solange die Regierung nicht dazu bereit ist, etwas dagegen zu unternehmen und stattdessen bewusst den Libanon vermüllen lassen, müssen die Menschen dort weiterhin unter diesen Konditionen leben.

Meiner Meinung nach ist es wirklich schade, dass es so weit kommen musste, da der Libanon an sich ein sehr schönes Land ist. Man kann im Libanon bis April Skifahren und innerhalb von 30 min zum Strand fahren um zu baden. Im Endeffekt könnten jedoch auch viele gut gemeinte Maßnahmen und Gesetze ohne Wirkung bleiben. Um das Kernproblem wirklich lösen zu können, müssen alle Beteiligten diese akzeptieren und ihr Verhalten ändern. Es geht also nicht ohne eine Veränderung der Grundhaltung der Menschen.

„Müll-Mafia“ im Libanon

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