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von Prof. Dr. h.c. Hermann Schoenauer, Nürnberg

Ein Leben ohne Medien ist nicht mehr vorstellbar. Auch könnte die demokratische Kultur ohne Presse, Rundfunk und Fernsehen nicht wachsen. Diese Medien stellen Öffentlichkeit her und schaffen damit die Möglichkeit für die Bürger, sich zu informieren und sich eine eigene Meinung zu bilden. Indem Journalisten Missstände aufspüren und darüber kritisch berichten, dienen sie dem Allgemeinwohl. Die Pressefreiheit hilft der Wahrung der Menschenwürde und der Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft.

Gegen die Freiheit der Meinung und der Presse spricht auch nicht ihr möglicher Missbrauch. Zum Bespiel durch einen Scheckbuch-Journalismus, der die Privatsphäre missachtet, oder durch Vorverurteilungen von Menschen, die nicht in das eigene Konzept passen: durch das Totschweigen des Positiven, weil es nicht aktuell ist; durch Überbetonen von Minderheiten, was der Wirklichkeit nicht gerecht wird. Das alles muss aufgedeckt werden.

Die Grenzen der Freiheit sind auf jeden Fall überschritten, wenn eine böswillige Lüge einen Mitmenschen in seiner Ehre und Würde verletzt, wenn nachweislich falsche Tatsachen behauptet werden und eine Person erkennbar und willentlich beleidigt wird. Das gilt in besonderer Weise für soziale Netzwerke wie facebook oder Twitter, die fester Bestandteil unseres Alltags geworden sind – egal ob privat oder beruflich.

Nicht wenige Menschen leiden darunter, dass sie in den sozialen Medien beschimpft, verurteilt oder gar mit Morddrohungen belegt werden. Es sind vor allem Menschen im öffentlichen Raum, aber nicht nur diese. Auch Jugendliche werden gemobbt und mit Bildern und Falschaussagen in die Verzweiflung geschickt. Fake News gehören leider schon zu unserem Alltag, auch in der Politik. Solche Auswüchse gefährden unsere Freiheit und schüren ein negatives Klima in unserer Gesellschaft. Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen.

Deshalb sind Richtlinien und rechtliche Vorgaben zum Beispiel zum Persönlichkeitsschutz zu beachten und bei Missbrauch zu ahnden. Rechtliche Konsequenzen sind einzufordern. Mehrere Unternehmen (Tchibo, Datev o.a.) haben für ihre Mitarbeitenden schon verbindliche Social-Media-Guidelines erstellt. Sie sind rechtlich bindend, wenn sie eine Ergänzung des Arbeitsvertrages darstellen oder in Form einer verbindlichen Anweisung eingeführt werden, statt nur als eine bloße Handlungsempfehlung. Bei Missachtung drohen Konsequenzen, je nach Häufigkeit, Umfang und Schwere des Verstoßes eine Abmahnung oder die Kündigung.

Solche Social-Media-Guidelines sollten in jedem Unternehmen, in jeder Institution eingeführt werden, um Transparenz, Respekt und Wahrheit zur Geltung zu verhelfen. Dies nicht nur zu fordern, sondern sich auch tatkräftig dafür einzusetzen, dass es realisiert wird, ist unsere Verantwortung als Christen. Die Ehrfurcht vor dem Leben, die Ehrfurcht vor der Würde des Lebens, die Stärkung von Mut und Solidarität sind unsere Handlungsnormen.

Freiheit verbunden mit Verantwortung lässt Vertrauen in unserer Gesellschaft wachsen.

Freiheit und Verantwortung – Moral für moderne Medien
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