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von Natalie Lieder, Sachbearbeiterin in der Qualitätssicherung

Medizinische Ethikberatungen haben sich im klinischen Alltag fest etabliert. Dabei sind klinische Ethikberater bzw. Ethikkomitees in die stationäre Versorgung integriert und vor allem in großen Einrichtungen wie zum Beispiel Universitätskliniken kaum mehr wegzudenken. Diese unterstützen und beraten Patienten und Angehörige, sowie Mitarbeiter einer Klinik in einer Konfliktsituation bzw. ethischen Fragenstellungen. Es zählen dabei nicht nur medizinische Fakten, sondern auch grundlegende ethische Werte in einer bestimmten Handlungssituation. Etwaige, daraus resultierende „Probleme“ sollen aus verschiedenen Blickwinkeln in Kooperation mit unterschiedlichen Fachgruppen betrachtet und analysiert werden. Somit soll ein Konsens bzw. eine Lösung des Problems gefunden werden.

Ganz anders verhält es sich bei der ambulanten Versorgung. Ratsuchende Patienten werden oft mit Ihren „Sorgen“ alleingelassen. Haus- sowie Fachärzte bieten den Service einer medizinisch-ethischen Fallberatung nur vereinzelt an, auf der anderen Seite benötigen ggf. auch Hausärzte eine ethische Expertise. Ein derartiges Angebot der professionellen Ethikberatung, welche Bestandteil der Praxis ist, gibt es in seltensten Fällen.

Dabei sind Themen wie, „als Arzt sehe ich die realistische Prognose, aber die Angehörige fordern immer mehr Therapie“ oder „wie berate ich eine Patientin im Falle einer Abtreibung, kann das überhaupt die richtige Entscheidung für Sie sein?“. Oft geht es in unserem Gesundheitssystem um das medizinische Notwendige, da die Ökonomisierung des Gesundheitswesens immer mehr den Menschen in den Hintergrund stellt. Insbesondere in Zeiten knapper Ressourcen spielt Zeitmanagement eine wichtige Rolle. Dabei kommen ethische Themen kaum auf den Tisch.

Aber gerade eine Ethikberatung in der ambulanten Versorgung bietet in schwierigen Situationen Potenzial für mehr Sicherheit und eine bessere Qualität der Patientenversorgung.

Da nicht in jeder Praxis ein ethisches Beratungsangebot realisierbar ist, könnte ein Qualitätszirkel eine hilfreiche Option für die Verbesserung der Versorgungsqualität und der Entscheidungsfindung im individuellen Behandlungsfall sein. In einer wöchentlichen Fallvorstellung können die Teilnehmer durch eine strukturierte Vorgehensweise, eine anschließende Herausarbeitung des ethischen Problems sowie die Entwicklung ethischer Handlungsoptionen im Zirkel gemeinsam Lösungen entwickeln und eine Handlungsempfehlung für den Fallvorsteller aussprechen. Dieses einfache, aber sehr effektive Instrument der ambulanten Versorgung spricht am Ende nur für den Patienten und erleichtert seine Entscheidungsfindung in einer belastenden Situation.

 

 

 

 

Ethische Fallbesprechungen in der ambulanten Versorgung

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