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von Katharina Sonntag

Neulich im Supermarkt – Da die selbstgemachte Marmelade meiner Mutter aufgebraucht war und ich große Lust auf ein Marmeladenbrot hatte, kam ich in diesem Fall nicht umher mir eine zu kaufen. Ich hatte eine ganz bestimmte Sorte und Marke im Blick – von regionalen Erzeugern sollte sie sein. Doch die im Regal stehende, von mir auserkorene Marmelade war seit 2 Wochen abgelaufen. Für mich kein Problem, da ich beim Öffnen meinen Augen sowie meinem Geschmacks- und Geruchssinn vertrauen würde. Außerdem wird Marmelade u. a. aufgrund des meist hohen Zuckergehaltes auch nicht so schnell schlecht. Und zudem handelt es sich ja bei dieser zeitlichen Festsetzung um ein Mindesthaltbarkeitsdatum und nicht um ein „zu verbrauchen bis“ – Datum. Nun ja, da die regionale Marmelade etwas teurer war, hoffte ich in diesem Zuge auch, dass mir die Marmelade vor diesem Hintergrund preislich reduziert verkauft werden könnte.

So nahm ich das Marmeladenglas und ging zur Kasse. Als ich die Kassiererin auf das abgelaufene Mindesthaltbarkeitsdatum hinwies und sie fragte, ob man da vielleicht etwas am Preis machen könne, meinte diese nur, dass sie mir diese Marmelade nicht mehr verkaufen dürfe. Warum fragte ich. Ihre Antwort – es könnte eine mögliche gesundheitliche Gefährdung für mich sein, wenn sie mir diese abgelaufene Marmelade verkaufen und ich diese dann konsumieren würde. In meinem Kopf kamen daraufhin die verschiedensten Gedanken auf und ich merkte, wie auch Wut und Empörung in mir aufstiegen. Erstens verdeutlicht es wieder die groteske Situation der Lebensmittelverschwendung in Deutschland, ein Thema, welches mich schon lange beschäftigt und nach wie vor sehr aufwühlt. Zweitens drängte sich mir unweigerlich die Frage auf, ob eine Supermarkt-Kette bzw. das dahinterstehende System mich in dieser Form in meiner Lebensgestaltung beschränken darf. Denn letztlich ist es doch meine Entscheidung, ob ich ein abgelaufenes Lebensmittel konsumieren möchte oder nicht. Es heißt doch schließlich „Mindesthaltbarkeit“ und nicht „tödlich ab“ – Datum. Davon mal abgesehen hätte sie das abgelaufene Datum vermutlich nicht einmal bemerkt, wenn ich sie nicht darauf hingewiesen hätte, da die Lebensmittel ja recht schnell über die Kasse gescannt werden.

Aufgrund meiner direkten Art teilte ich der Kassiererin den Aspekt des Mindesthaltbarkeitsdatums und der Lebensmittelverschwendung mit, fügte aber auch hinzu, dass sie ja im Prinzip nichts dafür könne, da es sich bei dieser Tatsache um einen Fehler im System handle. Letztlich fragte sie dann nochmal ihren Chef, ob sie mir die Marmelade nicht doch verkaufen könne, doch auch der verneinte eben aufgrund der oben genannten Begründung den Verkauf. Die Kassiererin wirkte darauf sogar ziemlich betroffen und gab mir mit einem Schulterzucken zu erkennen, dass sie da nichts machen könne. Etwas empört und auch traurig verließ ich den Supermarkt und dachte mir, dass ich nie wieder bei einem Laden dieser Kette einkaufen werde. Doch da es sich, wie gesagt, um einen Fehler im gesamten System handelt, sind andere Supermärkte eben auch nur bedingt besser (wobei ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen möchte, dass es durchaus auch Märkte und Läden gibt, die in positiver Weise ein nachhaltiges Konzept in diese Richtung betreiben).

In der Thematik der Lebensmittelverschwendung geht es jedoch nicht nur um die Tatsache, dass viele Menschen Hunger leiden müssen, was schrecklich genug ist, sondern auch um die Wertschätzung des Lebensmittels an sich und damit verbunden auch aller an der Produktion Beteiligten – und damit meine ich unabhängig davon, ob nun Menschen, Tiere oder eben die Natur an sich. Ja und in diesem grundlegenden Gedankengang drängte sich mir zudem die Frage auf, inwieweit mir die Entscheidung abgesprochen werden darf, welche Lebensmittel ich kaufe oder konsumiere. Klar steht der Supermarkt in einer gewissen Verantwortungspflicht, aber darf er mich dennoch in dieser Weise in meiner freien Entscheidung einschränken? Vielmehr würde er doch seiner Verantwortung nachkommen, indem er beispielsweise diese Lebensmittel rechtzeitig zu einem reduzierten Preis verkauft, spendet oder indem er sich dafür einsetzt, dass diese Form der Lebensmittelverschwendung ein Ende findet – die Möglichkeiten sind dahingehend zahlreich.

Letztlich bin ich dann ohne Marmelade nach Hause und habe beschlossen diese selbst zu kochen (bzw. auf den nächsten Heimatbesuch zu warten). Diese selbstgekochte Marmelade trägt zum Glück kein Haltbarkeitsdatum und wenn ich möchte kann ich sie auch zehn Jahre lang verschlossen lagern, dann öffnen und mich schließlich daran laben, meinen Körper einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung auszusetzen – ein wahrer Genuss.

Die Frage nach der freien Entscheidung über meinen Körper oder die Geschichte der abgelaufenen Marmelade