Verena Walter,

Studentin „Gesundheitswirtschaft und Ethik M.A.“ an der Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth

Nach dem weltweiten Alzheimerreport von 2015 leben in Europa 10,45 Millionen Menschen mit einer demenziellen Erkrankung. Im Jahr 2030 wird die Anzahl voraussichtlich auf 13,42 Millionen und im Jahr 2050 auf 18,66 Millionen Erkrankte steigen (vgl. Alzheimer’s Disease International, 2015, S. 8). Laut den Schätzungen des Robert Koch-Instituts wird in Deutschland die Anzahl der Demenzerkrankten in den nächsten zehn bis dreißig Jahren auf zwei bis drei Millionen Menschen steigen, insofern nicht ein Durchbruch in der Medikation erlangt wird (vgl. 2015, S. 442). Daher wird die Notwendigkeit größer, im Bereich der Demenzversorgung tätig zu werden. Leider ist es in der Bevölkerung noch nicht angekommen, was die Erkrankung Demenz genau bedeutet und auch nicht, dass man das Risiko, an Demenz zu erkranken durch bestimmte Präventionsmaßnahmen senken kann.

Es ist von erheblicher Bedeutung, bereits bei den ersten Anzeichen einen Arzt aufzusuchen und die eventuell ausgebrochene Demenz frühzeitig diagnostizieren zu lassen. Wichtig wäre es, den Fokus auf wirksame Öffentlichkeitsarbeit zu legen und über Präventionsmaßnahmen sowie die Krankheit an sich zu informieren. So könnten z. B. Angestellte im öffentlichen Dienst (Polizei, Feuerwehr etc.), aber auch Busfahrer oder Bankangestellte Schulungen zum Umgang mit demenziell Erkrankten in ihrem beruflichen Alltag erhalten. Auch so würde die Bevölkerung für das Thema stärker sensibilisiert, um den Umgang den Betroffenen zu verändern.

Das Ziel von alledem muss die Lebensqualität der Betroffenen sein: Gerade in den Anfangsstadien der Demenz ist es wichtig soziale Kontakte zu behalten. Vorsorgemaßnahmen können für nötige Sicherheit sorgen, z. B. das Beseitigen von Stolperfallen, das Ausleuchten von Räumen auch nachts o.a. Wichtig ist auch, das gewohnte Umfelder möglichst unverändert belassen werden, da sich demenziell Erkrankte so besser zurechtfinden. Ausreichend frische Luft und Bewegung sind ebenfalls wichtig, genauso wie verschiedene Möglichkeiten der Beschäftigung. Ein weiterer, elementarer Gesichtspunkt ist das Unterlassen von freiheitsentziehenden Maßnahmen und damit jegliche Form der Fixierung. Entscheidend ist, Erkrankte weder auszuschließen noch zu isolieren. Das Bedürfnis nach einem sozialen Leben ist in allen Lebensphasen ausgeprägt und bei Erkrankungen oftmals verstärkt. Personen, die nicht in Gruppen einbezogen werden, ziehen sich gerade zurück und bauen durch das Alleinsein immer weiter ab.

Allgemein spielen eine ausgewogene Ernährung, Bewegung, geistige Aktivierung, soziale Aktivitäten, sowie die Senkung der vaskulären Risikofaktoren eine Rolle (vgl. Universitätsklinikum Freiburg, 2012). Kulturelle Veranstaltungen, Knobelaufgaben oder der berufliche Alltag, oder auch die Ausübung eines Ehrenamtes helfen das Gehirn zu trainieren (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2016).

Die Patienten können zwar nicht geheilt werden, aber durch eine Behandlung kann die Dauer des ersten (leichten) Stadiums verlängert werden. Meiner Meinung nach sollte daher der Fokus auf der Sensibilisierung der Öffentlichkeit und auf dem Ausbau von Präventionsmaßnahmen liegen, sodass es nicht mehr nötig sein wird „Demenzghettos“ zu erbauen.

 

Literaturverzeichnis

Alzheimer’s Disease International. (09.2015). „World Alzheimer Report – The Global Impact of Dementia An Analysis Of Prevalence, Incidence, Dosts And Trends.“ Alzheimer’s Disease International (ADI), London (Hrsg.). Verfügbar unter: http://www.alz.co.uk/sites/default/files/pdfs/world-alzheimer-report-2015-executivesummary-english.pdf (Letzter Zugriff: 27.11.2017)

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2016). „Prävention kann sich lohnen.“ Verfügbar unter: https://www.wegweiserdemenz.de/informationen/medizinischer-hintergrund-demenz/vorbeugung-undpraevention.html (Letzter Zugriff: 27.11.2017)

Kidwood, T. (2013). „Demenz – Der person-zentrierte Ansatz im Umgang mit verwirrten Menschen.“ Verlag Hans Huber.

Pötzsch, O., & Dr. Rößger, F. (2015). „Bevölkerung Deutschlands bis 2060 – 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung“. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt (Hrsg).

Robert Koch-Institut. (2015). „Gesundheit in Deutschland Gesundheitsberichterstattung“ des Bundes. Gemeinsam getragten von RKI und Destatis (Hrsg.), Berlin. Verfügbar unter: http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattun g/GBEDownloadsGiD/2015/09_gesundheit_in_deutschland.pdf?__blob=publicatio nFile (Letzter Zugriff: 27.11.2017)

Universitätsklinikum Freiburg (04.10.2012). „Demenz-Leitlinie: Prävention.“ Verfügbar unter: http://www.demenz-leitlinie.de/aerzte/RisikoPraevention.html (Letzter Zugriff: 27.11.2017)

„Demenzghettos“ vermeiden
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