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von Elmar Nass, Fürth

Grenzen und (Hoch-)Schulen werden geschlossen, Börsenkurse stürzen ab, Notstände werden ausgerufen. Krankenhäuser, Altenheime, Arztpraxen und nun auch soziale Kontakte solle man – so die Kanzlerin – möglichst meiden. Prüfungen, private Feiern, Gottesdienste, Demonstrationen, Parteitage, Messen u.a. werden flächendeckend abgesagt. Eine Schreckensmeldung jagt die nächste. Hamsterkäufe sehen wir landauf landab. Die Corona-Pandemie bestimmt schier alles.

Auch unseriöse Schreckensmeldungen und irreführende „Erklärmeldungen“ kursieren in den sozialen Netzwerken. Was kommt wohl als nächstes? Mit der Angst der Menschen wird auch gespielt. Dabei sind die fortdauernde politische Orientierungslosigkeit (national wie international), die globale Klimakatastrophe oder die Heuschreckenplage in Afrika gar nicht mehr im Blick. Nimmt man aber mal das alles zusammen, so könnte man ahnen: Apokalyptische Zustände sind das, die so wohl die meisten Menschen bislang noch nicht erlebt haben (die Kriegsgeneration einmal ausgenommen).

Viele ziehen sich nun zurück, gerade ältere Menschen und die so genannten Risikogruppen. Das ist nachvollziehbar. Viele haben Angst, wohl alle sind irgendwie verunsichert und fragen sich mit Sehnsucht, wann mal wieder ‚Normalität‘ eintritt. Aber wer weiß das schon?

In so einer Zeit fallen Menschen auf, die sich nicht von der so allzu menschlichen Angst anstecken lassen. Ich erlebe solche Menschen gerade im niederländischen Dorf Steyl an der Maas, wo ich seit vielen Jahren Ruhe für meine Seele suche. Das ist das Stammkloster der Steyler Missionare. Die Kommunität zählt zum größten Teil zur Generation 80+, also zur erklärten Corona-Risikogruppe. Hier erlebe ich nichts von solcher Angst.

Die meisten von ihnen waren 40 oder 50 Jahre lange Jahre tätig in Afrika, in Südamerika, Asien oder eben hier in Steyl. Sie haben oft ihr Leben aufs Spiel gesetzt, haben Schulen, Kirchen und Krankenhäuser gebaut, haben ihr gekonntes Handwerk in den Dienst der Menschen und Gottes gesetzt, wurden angefeindet und mit dem Leben bedroht in ihrem sozialen Glaubensdienst, haben gelebt, gelitten mit den Ärmsten und haben diesen Menschen Würde gegeben.

Ein alter Pater berichtet mir auf die Frage nach seiner Angst wegen Corona damit, ein persönliches Ordensvorbild sei in China an Typhus erkrankt und habe dennoch weiter segensreich gewirkt. Er selbst habe deshalb keine Angst. Ein anderer erzählt, er habe selbst mit Malaria dem Tod schon oft ins Auge geschaut. Und sein Gottvertrauen erfülle ihn auch jetzt. Unisono erlebe ich hier eine überraschende Gelassenheit, die mit geläutertem Gottvertrauen einen starken Kontrapunkt setzt gegenüber mancher Angstdynamik und Hysterie.

Danke für diese Zeugnisse der Hoffnung, des Lebens und Glaubens in schwerer Zeit.

Angst in der Corona-Pandemie ist nicht alternativlos – eine persönliche Erfahrung
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