Prof. Dr. Elmar Nass

Prof. Dr. Dr. Elmar Nass, Professor für Wirtschafts- und Sozialethik an der WLH Fürth

„Die Kraft der Liebe ist stärker als das Böse, das uns bedroht.“ (Benedikt XVI.)

Weihnachten 2016 steht unter dem Schock des Terrors, der nun auch in Deutschland sinnlos unschuldige Menschen in den Tod gerissen hat. Auf das ‚Warum?‘ finden wir keine befriedigende Antwort. Den Ermordeten, den Familien und Freunden fühlen wir uns in Gedanken und Gebet verbunden.

Ganz sicher ist die Unmenschlichkeit dieser Tat. Genauso gewiss ist, dass die Täter nicht im Auftrage Gottes handelten, sondern im Gegenteil als seine Verräter. An Weihnachten feiern Christen Gott in Jesus als das Licht und die Liebe und den Frieden. Werte, die über weltanschauliche Grenzen hinweg geachtet werden. Dagegen brechen jetzt Dunkel, Hass und Morden näher in unsere Leben ein. So genannte Gotteskrieger verdrehen mal wieder die Botschaft Gottes in ihr krasses Gegenteil. Das sehen auch viele Muslime ein, die aber noch viel lauter ihre Stimme gegen diese Gottlosigkeit erheben sollten. Wenn wir auf die zahllosen Horror-Meldungen der letzten Jahre schauen, so ist der Terroranschlag in Berlin jetzt der wiederholte Angriff auf die Freiheit einerseits, auf christliche Kultur andererseits. Was motiviert wohl diese Mörder? Neben vielen soziologischen oder psychologischen Erklärungen ist doch eines klar: Hier sind mal wieder Hassideologien am Werk, die durch Ausgrenzung und mit gekonnter Verführungskraft Suchenden in anonymer Gesellschaft Identität versprechen. Gemeinschaft, Sinn, Würde erhält derjenige zugesprochen, der sich zur vermeintlich einzig wahren Auslegung der einzig wahren Religion bekennt und dafür zu sterben bereit ist. Wer nicht dazu gehört, ist in solchem Fundamentalismus Feind ohne Würde. Das Morden wird als Gottesdienst verkauft, ist aber Götzendienst an der jeweiligen Avantgarde, die sich selbst nicht die Finger schmutzig macht. Das süße Gift einer Gemeinschaft, die sich durch gewaltsame Ausgrenzung definiert, ist Wesensmerkmal aller Kampfideologien, seien sie nun religiös oder säkular. Islamisten propagieren den Heiligen Krieg, Kommunisten den Klassen-, Faschisten den Rassenkampf. Mit Gewalt bekämpft werden dann immer jeweils diejenigen, die nicht die richtige Religion, Klasse oder Rasse haben. Religiöser und säkularer Wahn sind in der Begründung weit voneinander entfernt, in der Konsequenz des Terrors aber ähnlich.

Die Achtung des jeweils Anderen und die gute Begründung seiner Würde sind der Gradmesser der Freiheit, den solche Fundamentalismen verhöhnen. Weihnachten ist für Christen die klare Antwort auf solche Versklavung. Das Licht, das Christen jetzt feiern, steht für eine großartige Begründung des Humanen, die keine Relativierung zulässt, keine Ausgrenzung und keine Abstufung der Würde, keinen Hass und keine sinnlose Gewalt gegen Andere. Es stiftet Gemeinschaft nicht nur unter Christen. Denn eine weihnachtliche Perspektive auf das Humane erkennt in allen Menschen gleich welcher Religion oder Rasse oder Klasse die Kinder Gottes, weil Jesus selbst Mensch wurde. Für Christen bedeutet Weihnachten Freude am eigenen Bekenntnis und gerade deshalb die wertschätzende Neugier am Fremden. Im Namen des WLE wünsche ich Ihnen die Hoffnung, die dieses Licht ins Leben bringt, und den Mut, es selbst dorthin zu tragen

Weihnachten nach Berlin
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