Dr. Friedrich, ehemaliger Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayerns und Leiter der Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands

  • „Der Islam gehört zu Deutschland“ – so der damalige Bundespräsident Christian Wulf, und dann später auch unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel.
  • „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ – so das kürzlich verabschiedete Parteiprogramm der AFD.
  • Integration von Flüchtlingen bedeutet, dass sie die in Bayern herrschende Leitkultur akzeptieren und praktizieren und das ist die christlich–jüdische-abendländische Kultur – so sinngemäß der Gesetzentwurf der bayerischen Staatsregierung.

Bei diesem aktuellen Streit geht es letztlich um die ethischen Werte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten sollen.

  • Sind es christlich-jüdisch geprägtenWerte wie z.B. Nächstenliebe und Fremdenliebe
  • oder sind es – so jedenfalls AFD und Pegida – Werte, die man mit der Scharia in Verbindung bringt, wie eine niedrigere Stellung der Frau  als des Mannes oder der ausgeprägte Antisemitismus?

Sind aber dies wirklich die Werte

  • von Christentum und Judentum einerseits
  • und dem Islam andererseits?

Um zu gemeinsamen Werten zu kommen, muss man v.a. die eigenen Grundlagen, die eigenen Werte und dann auch die der anderen Religionen kennen.

Das ist für mich ein Grund dafür, dass ein Religions- oder wenigstens ein Ethikunterricht so wichtig ist und weshalb ich mich dezidiert für einen regulären Religionsunterricht für Muslime, also einen Islamunterricht eingesetzt habe.

Als amtierender Bischof hatte ich öffentlich gesagt,  – und ich bin froh, dass mein Nachfolger dies auch tut – dass ich es für richtig halte, dass es an unseren Schulen islamischen Religionsunterricht geben sollte. Da bekam ich von rechtsradikalen Deutschen schreckliche Mails:

„Warte nur, wenn wir an der Macht sind, dann werden wir dich mit den Muslimen zusammen an einem Kran aufhängen“ und Schlimmeres.

Aber es gibt m.E. keine Alternative dazu, dass wir in Deutschland als Angehörige dieser drei Weltreligionenn

  • nicht nur friedlich zusammenleben,
  • sondern noch mehr, dass wir versuchen, gemeinsam von unseren jeweiligen Glaubensüberzeugungen aus, unsere Welt, diese Gesellschaft zu gestalten.

Aber:

  • Können dann Christen, Juden und Muslime bei uns in Deutschland heutzutage überhaupt friedlich zusammenleben?

Angesichts der genannten Streitpunkte eine berechtigte Frage.

Denn sowohl

  • das jüdisch-christliche Verhältnis ist in Deutschland sehr störanfällig als auch
  • das christlich muslimische und
  • das jüdisch-muslimische.

Das Gesicht Deutschlands hat sich verändert. Mit den vielen verschiedenen Volksgruppen sind auch andere Kulturen und Religionen zu uns gekommen.

  • Während es früher beispielsweise in manchen Gegenden Bayerns passieren konnte, dass im Laufe von 20 Jahren nicht einmal ein Evangelischer zu sehen war,
  • so ist es heute selbstverständlich, dass auch in den Schulen auf dem Land pro Klasse mindestens ein bis zwei Kinder mit anderer Religionszugehörigkeit sitzen.

Muslime gab es also und gibt es – sicherlich auch heute hier unter uns.
Aber lange hat sich bei uns niemand für den Islam interessiert.

Aufgrund der moralischen Katastrophe, in die der Antisemitismus Deutschland geführt hatten, war das Interesse am Judentum dagegen relativ groß – aber für einen wirklichen Dialog fehlte weithin das Gegenüber.

Denn es gab und es gibt kaum Juden bei uns – wahrscheinlich auch heute hier unter uns nicht. Sie wurden im Holocaust vernichtet.

Die Gemeinden in Deutschland waren klein und im Dialog oftmals zurückhaltend, was nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts nur allzu verständlich war.

Das hat sich nun etwas gewandelt.

  • Die jüdischen Gemeinden sind wieder gewachsen.
  • Die israelitische Kultus-Gemeinde Nürnberg wird noch in diesem Sommer ihr neues Gemeindezentrum einweihen.

Und in den letzten 40 Jahren ist auch der Islam ein Teil der deutschen Gesellschaft geworden.

Bekanntlich hatte man in den 60-er Jahren begonnen, Arbeitskräfte

  • nicht nur in katholisch geprägten Ländern, anzuwerben, sondern auch in der Türkei.  Diese waren zumeist Muslime.

Alle – auch sie selbst – dachten, dass diese nach wenigen Jahren in Deutschland mit ihren Ersparnissen in ihre Heimat zurückkehren würden.

Es kam bekanntlich anders.

Aber es lag an dieser Rückkehrerwartung, dass die Fragen der Integration der türkischen Mitbürger sehr spät erst gestellt wurden.

Inzwischen bekennen sich aber viele türkisch-stämmige Muslime in Deutschland offen zu ihrem Glauben und suchen auch mit ihren Bauten die Öffentlichkeit.

Und der Zustrom der Flüchtlinge macht die Anwesenheit von Muslimen in unserem Land noch offensichtlicher.

Wir reden gerne von den jüdisch-christlichen Wurzeln Deutschlands und von der christlich-jüdischen Leitkultur.

Wir Christen sind in dem, was wir in der Bibel, besonders in dem Alten Testament lesen, eben stark bestimmt von dem. was Juden in demselben Alten Testament haben.

So gibt es viele Parallelen. Juden glauben an den Gott, an den auch Jesus in seinem Menschenleben geglaubt hat.

Natürlich gibt es auch Unterschiede.

Der wichtigste Unterschied zwischen jüdischem und christlichem Glauben liegt sicherlich in der Beantwortung der Messiasfrage.

Der jüdische Theologe Martin Buber hat dies einmal sehr schön formuliert:

„Wir haben doch viel gemeinsam. Ihr Christen glaubt, dass der Messias schon einmal hier war, wieder weggegangen ist, und dass er wiederkommen wird. Wir Juden glauben, dass er kommen wird, aber dass er noch nicht hier war. Mein Vorschlag: lasst uns doch zusammen auf ihn warten. Und wenn er kommt, können wir ihn ja selber fragen, ob er schon einmal hier gewesen ist. – Und ich werde in der Nähe stehen und ihm ins Ohr flüstern: Sag nichts!“

Das heißt:

  •     Juden und Christen müssen sich nicht gegenseitig in ihrem Glauben bekämpfen,
  •     sondern sie haben ganz viel gemeinsam.
  •     Und deshalb können sie gemeinsam sich bemühen, diese Welt zu verändern.

M.E. ist das eine ganz ähnliche Aussage wie die der bekannten Ringparabel von Gotthold Ephraim Lessing.

Der Vater hat drei gleich aussehende Ringe hinterlassen, von denen aber nur einer der echte Ringe ist, sodass keiner der Söhne sich sicher sein kann, dass er den originalen Ring hat und somit der Haupterbe ist. Deshalb müssen sich alle drei gleichermaßen anstrengen, und zeigen, dass sie zu Recht der Erbe sind.

So sollen sich die drei Religionen gleichermaßen ethisch anstrengen, zu zeigen, dass sie die wahre Religion sind, indem sie Verantwortung für diese Welt übernehmen. Darum sollte der eine den anderen dabei zu übertrumpfen versuchen.

Deshalb halte ich es für die einzige Möglichkeit für uns in Deutschland, den Dialog zu suchen,

  • den Dialog zwischen Christen und Juden, und
  • den Dialog zwischen Christen und Muslimen,

wenn wir zur Besinnung auf gemeinsame Werte kommen wollen.

Sinn und Zweck des Dialoges ist

  •  sich kennenlernen,
  •  die jeweiligen Werte kennenzulernen,
  •  Hierbei sollten verschiedenen Glaubensvorstellungen zusammentreffen
  •  und es sollte eine Auseinandersetzung über die Unterschiede im Glauben gaben, mit dem Ziel Vorurteile aufzuheben,

Der Dialog hat also nicht die Vermischung der Religionen zum Ziel.

  • Der eigene Standpunkt,
  • das eigene Profil

sind vielmehr notwendige Voraussetzungen für den konstruktiven Dialog mit Menschen anderer Religionen.

Leider kann man nicht mehr Wissen über die eigene christliche Glaubenstradition bei christlich aufgewachsenen Schülerinnen und Schülern voraussetzen, so wie das noch vor einigen Jahren der Fall war.

Biblische Geschichten, begegnen den Kindern oft erstmalig im Religionsunterricht.

Folgende – zugegeben überspitzte – Anekdote bringt das zum Ausdruck:

Ein Bischof besucht im Rahmen einer Visitation eine Schule. Er hört er ein wenig im Religionsunterricht zu.

Thema ist die Eroberung der Festung Jericho durch das Volk Israel, eine Geschichte aus dem Alten Testament, wo wie durch ein Wunder damals die Mauer, die mit Waffen nicht einzunehmen war, durch das Spielen von Posaunen und Trompeten einfällt.

Und so fragt der Bischof den Schüler Thomas. „Wer hat denn die Mauern von Jericho zum Einsturz gebracht?“

Thomas erwidert, „Das weiß ich nicht, aber ich war es auf gar keinen Fall.“

Der Bischof ist einigermaßen erschüttert von dieser Antwort und wendet sich an den Klassenlehrer: „Was meinen Sie denn zu dieser Antwort?“. Der Lehrer: „Ich kenne den kleinen Thomas und dessen Familie sehr gut, und wenn der Thomas sagt, er sei es nicht gewesen, dann könne man ihm ruhig glauben.“

Der Bischof verlässt sprachlos die Klasse, geht zum Rektor der Schule und berichtet ihm empört den Vorfall. Nachdem sich der Schulleiter alles angehört hat, sagt er: „Also, ich weiß wirklich nicht, warum Sie sich da so aufregen. Wir holen einfach drei Kostenvoranschläge ein, und dann wird diese Mauer wieder repariert.“

In dieser überspitzten Anekdote wird deutlich wie wichtig der Religionsunterricht ist, alleine

  • um

– die eigenen Wurzeln,

– die eigene Herkunft und

– die eigene Prägung

-die eigenen ethischen Werte zu verstehen,

  • einen Standpunkt zu beziehen und
  • von dessen Gültigkeit und Wahrheit überzeugt sein zu können und davon ausgehend mit anderen ins Gespräch zu kommen.

 Und gleichzeitig ist es notwendig von einem eigenen Standpunkt aus

  • mit

– Offenheit und auch mit

– Engagement den anderen kennen zu lernen,

  • sich für dessen

– Werte,

– Kultur,

– Tradition und

– Religion zu interessieren.

 Denn nur,

  •  wenn man Kenntnis von den Werten und Traditionen des anderen hat,
  •  können Missverständnisse und Konflikte vermieden werden.

An einem kleinen innerchristlichen Beispiel möchte ich verdeutlichen, wie schnell es bei der Unkenntnis von Traditionen anderer Konfessionen zu Missverständnissen kommen kann.

“CHRISTOS ANESTÄH, ALÄTHOS ANESTÄH” verstehen Sie das? “CHRISTOS ANESTÄH – Christ ist erstanden!“ – und die Antwort ist: „ALÄTHOS ANESTÄ – er ist wahrhaftig auferstanden”.  Mit diesem Gruß – das habe ich in Jerusalem bei unseren griechischen Brüdern gelernt – begrüßen die orthodoxen Griechen sich in der ganzen Osterzeit. Aber wer weiß das schon? Jedenfalls anscheinend nicht der damalige Kulturreferent der deutschen Botschaft in Athen, der vor vielen Jahren in der Woche nach Ostern auf einem diplomatischen Empfang auf den Athener Erzbischof traf. Der grüßte ihn – wie es dort Sitte ist – mit “CHRISTOS ANESTÄH” und der Kulturreferent antwortete: “Angenehm, Hofmann”.

Damit solche oder ähnliche Missverständnisse nicht zwischen den Religionen entstehen, gilt es also

  • sich gegenseitig wahrzunehmen,
  • die Werte, die positiven Werte des anderen kennenzulernen,
  • ich überhaupt kennen zu lernen und
  • miteinander in den Dialog zu treten.

Was bringt dieser Dialog und wo liegen die Schwierigkeiten?

Der Dialog mit dem Islam bei uns hat ja zunächst ganz andere Gründe als der mit dem Judentum.

  • Die Anzahl der Muslime in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen und
  • die Notwendigkeit der Auseinandersetzung gerade mit Menschen muslimischen Glaubens dadurch primär gegeben.

Hinzukommt, dass im Namen der Religion verübte Attentate und Anschläge häufig mit „dem Islam“ assoziiert werden.

Je heftiger ein Anschlag ist, wie es etwa die in Frankreich waren, umso größer werden bei uns die Ängste „vor dem Islam“. Und je schlimmer sich Männer gegenüber Frauen aufführen, wie etwa in der Silvesternacht oder auch in den Berichten letzte Woche im Fernsehen über den Missbrauch von Kindern durch einzelne Muslime, umso mehr regen sich die Menschen bei uns über „den“ Islam auf.

Dazu möchte ich sagen:

  • Es gibt nicht den Islam und die Muslime.
  • Es gibt nur Menschen, die sich auf den Islam berufen und
  • für die ihr Glaube jeweils eine eigene mehr oder weniger große Bedeutung hat.

Deswegen ist, nebenbei gesagt, der anfangs erwähnte Streit darüber, ob „der Islam“ zu Deutschland gehöre oder nicht, müßig. Die Muslime gehören in jedem Fall dazu.

Denn wir leben ja in einem Land mit ca. vier Millionen Muslimen.

Unter diesen 4 Millionen (und mit den Flüchtlingen sind es noch einige mehr) befinden sich natürlich auch Verbrecher, auch Menschen, die keine Werte haben – so wie sich unter 4 Millionen christlich geprägten Deutschen auch Verbrecher befinden und Menschen, die keine Werte haben.

Und wenn solche Menschen noch auf engem Raum zusammenleben müssen, wie dies in manchen Flüchtlingslagern der Fall ist, dann ist der Konflikt noch viel schneller da.

Da ist es eine Frage unseres Beitrages zur Integration der Muslime,

  • dass wir besser über sie Bescheid wissen,
  • was sie denken,
  • wie sie leben,
  • was sie glauben,
  • welche Werte sie haben.

Und wir brauchen Klarheit.

Klarheit heißt

  • auch eine saubere Benennung der Unterschiede zwischen unseren Religionen,
  • kein Mischmasch nach dem Motto: „wir glauben doch alle an denselben Gott“.

Wir halten es vielmehr für notwendig,

  • deutlich die Unterschiede zu markieren und
  • gleichzeitig alles zu tun, damit es ein friedliches Zusammenleben der Menschen verschiedener Religionen geben kann, bei denen alle ihre Religionsfreiheit leben können müssen.

Als positives Beispiel möchte ich darum die islamische Gemeinde in Penzberg, im Süden Münchens, erwähnen, die genau diese Form eines offenen und gesprächsbereiten Islam lebt:

  • Dort ist der Bau der Moschee gelungen.

Die Muslime in Penzberg haben das Gefühl, wir haben nun eine richtige Moschee, die

  • nicht nur von Muslimen beachtet wird,
  • sondern eben auch von dem kritischen deutschen Nachbarn,

Dadurch fühlen sich die Muslime dort angenommen und respektiert.

Dies trägt dazu bei, dass sie sich in Penzberg wohlfühlen.

Es hat mich sehr gefreut, dass der Imam der Moschee in Penzberg, Benjamin Idriz, vor einiger Zeit folgende PM veröffentlichte:

Es ging um die schrecklichen Entführungen und Tötungen von Christen in Nigeria, durch eine Gruppe, die sich Boko Haram nennt und dies angeblich aus islamistischen Motiven tut.

Idriz schrieb:

Wenn jemand eine Schule überfällt, Schülerinnen oder Schüler entführt und damit droht, sie auf einem Markt zu verkaufen – dann handelt es sich offenkundig um Schwerverbrecher, die von den Instanzen ihres Landes verurteilt und bestraft werden müssen.

Wenn Verbrecher behaupten, im Namen einer Religion zu handeln und mit ihrem Treiben den Willen Gottes auszuführen, dann handelt es sich offenkundig um wahnsinnige oder irregeleitete Existenzen, auf welche Religion auch immer sie sich dabei berufen…

Wenn in solchen Fällen der Islam als angeblicher Beweggrund für Verbrechen missbraucht wird, dann sind wir als Muslime, wo immer wir sind, welchen Stand und welche Funktion auch immer wir einnehmen, gefordert, immer und immer wieder laut und deutlich aufzuschreien, notfalls fünfmal am Tag!

Solche Fälle, wie sie auch aus Syrien berichtet werden, wo der friedliche Name unserer Religion durch grauenvolle Gewalttaten vergewaltigt wird, beleidigen Gott und seine Propheten…

Im Tenor ganz ähnliches las man in der Zeitung vom Dienstag dieser Woche, wo über Ahmad Mansour, einen Muslim aus Palästina – Israel berichtet wird, der sagt:

„Auch die Politik muss begreifen, dass der Islam und die Muslime vielfältig sind. Dass es neue Stimmen gibt, die die Zukunft dieses Landes (gemeint ist Deutschland) und ihrer Religion mitgestalten wollen. Wenn sich etwas ändern soll, müssen wir von einem ‚Wir – Ihr‘ zu einem ‚Wir‘ kommen, in dem Muslime selbstverständlich zu diesem Land gehören. Ich glaube, wir können das schaffen, wenn wir den vernünftigen Akteuren, die auf Grundrechte, Demokratie, Menschenrechte setzen, gegen jegliche Form von Hass, Fremdbestimmung, Ungleichberech-tigung und Angst eine Stimme geben, sie zusammenführen.“  (NN 7.6.16 S. 5)

Und heute schrieb in der SZ Prof. Cefli Ademi, Muslim und Professor für islamisches Recht: „Wir Muslime müssen alles daransetzen schöpfungsverachtende und realitätsfremde Narrative theoretisch und praktisch zu überwinden.“

Solche Stimmen müssen wir hören und davon erzählen. Denn hier kommen die auch im Islam vorhandenen positiven Werte zur Geltung.

Muslime sollen erfahren:

  • Wir genießen in Deutschland mit unserem Glauben Toleranz und Freiheit,
  • sofern wir uns auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegen
  • und deren Werte anerkennen.

Die anderen Menschen in Deutschland sollen erfahren:

  • auch viele Muslime sind aufgrund ihres Glaubens

– gegen Gewalt und

– für Toleranz

– und Freiheit.

Denn das ist bei uns viel zu wenig bekannt.

Toleranz hat ja in der Geschichte unserer drei Religionen nirgends eine durchweg positive Rolle gespielt.

Ja, traditionell war Toleranz zumindest gegenüber den beiden anderen Buchreligionen im Islam stärker verbreitet als im Christentum. Allerdings war es sehr eingeschränkte Toleranz, aber immerhin.

Wenn wir die Religionen und ihre Werte vergleichen, muss man immer sehen, dass es natürlich regional wie konfessionell große Unterschiede schon in den einzelnen Religionen gibt.

Zu vielen Fragen sind die ethischen Differenzen

  • zwischen Orthodoxen aus Russland und evangelisch-liberalen Positionen aus Mitteleuropa ähnlich stark
  • wie zwischen Sufi-Scheichs aus dem Senegal und islamischen Frauennetzwerken aus Malaysia.

Aber es gibt im Islam eben auch Traditionen, die klar eine Konsensbildung zwischen Christen, Juden und Muslimen ermöglichen.

So ist auch im Koran davon die Rede, dass Menschen die 10 Gebote einhalten sollen.

Und in der islamischen Tradition hat sich herausgebildet, dass es 5 Schutzbereiche gibt, die besonders wichtig sind:

  •  der Schutz der Religion,
  •  des Lebens,
  •  des Verstandes,
  •  des Eigentums und
  •  der Familie.

Hierauf lässt sich eine Konsensbildung gut aufbauen.

Allerdings ist diese nur im Dialog möglich.

Und interreligiöser Dialog kann nur gelingen, wenn alle beteiligten Partner ihre eigene Überzeugung klar und offen aussprechen und auch die Dinge nicht aussparen, die bei den Gesprächspartnern Verwunderung oder Befremden auslösen müssen.

Die Religionsfreiheit als eine der geistigen Grundlagen unserer Gesellschaft bedeutet ja nicht,

  • die anderen Religionen in „Ruhe zu lassen“,
  • einfach nur gewähren zu lassen,
  • sowenig wie wir erwarten, in Ruhe gelassen werden.

Sie sehen, dass wir auf einem guten Weg sind, was den Dialog mit Judentum und Islam anbetrifft.

Und der Dialog muss noch weiter gefördert und intensiviert werden.

  • Zu einem Miteinander der Religionen gibt es keine Alternative.
  • Christen werden in Deutschland mit einer wachsenden Zahl von Menschen anderer Religionen, besonders mit Muslimen, dauerhaft zusammenleben.

Seit Montag befinden sich Muslime im Ramadan, dem Monat des Fastens der am 4. Juli endet mit dem großen Fest, des Fastenbrechens.

Ich erinnere mich sehr gerne daran, wie ich vor ein paar Jahren eingeladen war zum Fastenbrechen im Münchner Rathaussaal.

Dort hatten junge muslimische Geschäftsleute eingeladen:

  • Christen und Juden,
  •  den deutschen Bischof ebenso
  •  wie Herrn Pitum, den jüdischen Vorsitzenden der christlich-jüdischen Gesellschaft

und wir haben alle miteinander vorzüglich gespeist und gute Reden angehört:

Ja, so kann ein Zusammenleben von

  • Juden,
  • Christen und
  • Muslimen

heute

  • bei uns in Deutschland,

Es ist möglich, dass wir friedlich zusammenleben,

  • wenn wir unsere positiven Werte kennen, gerade auch die der anderen
  • und uns daran messen lassen, ob und wie wir diese positiven Werte auch leben.
Was uns zusammenhält – Christliche, jüdische und muslimische Werte als Grundlage einer gemeinsamen Ethik in Deutschland 2016
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