Giuliana Hahn

Manchmal ertappe ich mich selbst dabei, wie ich langsam genervt vom Flüchtlingsthema den TV-Sender wechsle, wenn es wieder um die Flüchtlingskrise geht oder einen Artikel dazu in der Zeitung überspringe. Im selben Moment jedoch holt mich schon das schlechte Gewissen ein. Die zurzeit so allgegenwärtig und kontrovers diskutierte Problematik zum Thema Flüchtlinge geht jeden etwas an und niemand sollte vor diesem Elend die Augen verschließen. Mir wird aber ehrlich gesagt ganz übel, wenn ich die immer häufiger auftretenden rassistischen „Meinungen“ zu diesem Thema lesen und hören muss. Dann wünsche ich mir, dass vielleicht einige Menschen doch lieber davor ihre Augen verschließen sollten, als zu so menschen verachtenden Schlüssen zu kommen.
Ich frage mich gleichzeitig, wie es kommt, dass viele Menschen Flüchtlingen gegenüber eine derartig ablehnende Haltung entgegenbringen. Ich verstehe nicht, wie man gegen Menschen, die vor dem Krieg flüchten, die kein Zuhause mehr haben, Verwandte und Freunde zurücklassen müssen, tausende Kilometer zu Fuß mit ihrem kärglichen Hab und Gut zurücklegen und einfach nur den Wunsch verspüren in Frieden zu leben, so einen Groll hegen kann. Ich verstehe auch nicht, wie dieses Thema ein Land spalten kann. Denn gibt es nicht die eine plausible Lösung für dieses „Problem“? Nämlich den Menschen zu helfen und zwar in dem Maße, wie es eben im Moment möglich ist? Und ja, dazu gehört eben auch, dass wir als vergleichbar reiches Land Menschen aufnehmen sollten und ihnen Asyl gewähren, wenn sie in Not sind – und zwar ohne zu Murren. Doch plötzlich machen sich viele um die Finanzen Deutschlands sorgen und solidarisieren sich enthusiastisch mit Obdachlosen und Hartz4-Empfängern. Diese besorgten Bürger waren aber noch vor wenigen Monaten die, die sich beschwert haben, dass Hartz4-Empfänger ja beinahe im Reichtum schwelgten.

Natürlich, wenn man mit dem goldenen Löffel im Mund geboren ist, hat man leicht reden. Und ich zähle uns Westeuropäer dazu. Selbst vielen Armen geht es hier verglichen mit Rest der Welt relativ gut. Es wird durch die Aufnahme von Flüchtlingen auch niemand benachteiligt, was diesen Groll und die Ablehnung vielleicht erklären könnten.

Ich denke einfach, dass Reichtum verpflichtet und ja, ich denke auch, dass wir vergleichsweise reich sind und es uns allen hier mehr oder weniger gut geht. Damit haben wir eine moralische Verpflichtung, denen zu helfen, die unsere Hilfe benötigen. Mir ist auch bewusst, dass diese Hilfe im Rahmen der vorhandenen Ressourcen begrenzt ist. In diesem Rahmen sollten wir jedoch wirklich alles Mögliche dafür tun. Wer dem nicht zustimmt, sollte sich auch einmal in die Lage dieser hilfesuchenden, verzweifelten Menschen versetzen. Ich wette, dass sie die ersten wären, die die Flucht ergreifen würden und nach Hilfe flehen würden. Denn sagt nicht schon eine uralte Weisheit, „was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu“. Da ich also davon ausgehe, dass jeder in solch einer Situation Hilfe erwarten würde, muss auch jeder bereit sein zu helfen und wenn diese Hilfe nur darin besteht die Aufnahme von Flüchtlingen zu tolerieren, ja vielmehr zu akzeptieren.

Was du nicht willst, dass man dir tut…
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