Andreas Schlüter, Geschäftsführer Klosterfrau Berlin und Artesan Pharma, CPO Klosterfrau Deutschland, Frankreich und Schweiz

Die Darstellung von Frau Giuliana Hahn kann ich in weiten Teilen als Mensch nachvollziehen. Insbesondere als betroffener Patient oder als Angehöriger habe ich für die Argumentation zu 100% Verständnis. Ich muss an dieser Stelle als Mitarbeiter eines pharmazeutischen Unternehmens nur den letzten Absatz der Ausführung wieder aufnehmen, um an einzelnen Stellen Themen fortzuführen.

Die Gesundheitsausgaben betreffen uns alle und der Staat ist nur begrenzt in der Lage, Grundlagenforschung für seltene Erkrankungen zu finanzieren. Hier müssen die Wissenschaftler und Beamten unseres Staates Prioritäten setzten –  ob wir das im Einzelfall nun menschlich gut finden oder nicht.

In pharmazeutischen Unternehmen ist dies nicht anders. Ein Geschäftsführer darf die Prioritäten in seinem Forschungsbereich nicht verschieben, um am Ende des Tages das Ergebnis zu gefährden. Die Arbeitsplätze der ihm anvertrauten Mitarbeiter sind davon direkt abhängig. Diese Verschiebung wäre ein großer Fehler im Management. Daraus ergeben sich dann Arbeitsplatzverluste oder wohlmöglich mehr. Ein betriebswirtschaftlich denkendes Unternehmen, insbesondere die Geschäftsführung, darf nur nach diesen Grundsätzen handeln. Deshalb fließt nur wenig Geld in die Erforschung seltener Erkrankungen.

Somit sind seltene Erkrankungen wieder in der Verantwortung von uns allen. Wie ausgeführt, können Anreize in den regulatorischen Anforderungen und Patentnutzungen unterstützend wirken, aber schlussendlich müssen aber auch diese Produkte einen betriebswirtschaftlichen Sinn für das pharmazeutische Unternehmen haben.

Es gibt Firmen, die dazu alternative Möglichkeiten aufzeigen. Es kostet etwas Mühe, diese im Internet zu finden. Als Anlage füge ich ein Beispiel für ein Engagement an. Das grundsätzliche Problem der zu hohen Forschungskosten im Vergleich zur Anzahl der Patienten wird damit nicht gelöst, aber es gibt uns allen die Gewissheit, dass sich nicht alle Dinge im Leben betriebswirtschaftlich rechnen müssen.

Klosterfrau Award

„Klosterfrau Forschungspreis 2016 für neue Erkenntnisse in der Grundlagenforschung zu Lungenerkrankungen verliehen

Köln, März 2016. Ein Kleinkind mit einer seltenen Atemwegserkrankung führte die Ärztin Christin Kuo aus Kalifornien während ihrer medizinischen Ausbildung dazu, sich der Erforschung der zellulären Grundlagen von Lungenerkrankungen zu widmen. Dabei entdeckte sie einen bisher unbekannten Mechanismus, durch den sich sogenannte neuroendokrine Zellen organisieren. Diese spielen bei einigen Erkrankungen der unteren Atemwege eine wichtige Rolle. Die Entdeckung des Mechanismus könnte als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten von Lungenerkrankungen dienen. Für ihre Entdeckung wurde Kuo anlässlich der 38. Jahrestagung der Gesellschaft für pädiatrische Pneumologie am 11. März 2016 mit dem Klosterfrau Forschungspreis 2016 ausgezeichnet.“

 

www.klosterfrau.de

Ohne Moose nix los – Wie Geld die Pharmaindustrie regiert, Fortsetzung Teil 2

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