Stephanie Schmitz

Die Notwendigkeit des Schutzes von Umwelt und Natur wird gemeinhin nicht in Frage gestellt. Die Frage ist, ob sich der Mensch nur den Tier- und Artenschutz zum Zweck setzen sollte, oder ob Umweltschutz in der Verantwortung für zukünftige Generationen mehr beinhaltet als lebende Organismen?

Die Natur umfasst über Menschen, Tiere und Pflanzen hinausgehend auch Gewässer und Gesteine. Die gesamte Biosphäre wird sowohl aus organischen als auch aus anorganischen Stoffen gebildet und beinhaltet somit sowohl lebendige als auch nicht-belebte Natur.

Stellt man den Menschen in den Mittelpunkt der Überlegungen, dann ist das Argument für den Artenschutz nicht die Bewahrung einer Spezies um ihrer selbst willen, sondern deren Erhaltung mit Blick auf die Lebensgrundlage unserer nachkommenden Generationen. Diese anthropozentrische Sichtweise schließt Tiere jedoch aus.

Erweitert man nun die Argumentation von den Menschen auf die Tiere, lässt sich ein gemeinsamer Nenner in der Fähigkeit zur Schmerzempfindung finden. Demnach sind alle Lebewesen moralisch schutzwürdig, die Leid oder Schmerz empfinden können und dementsprechend hat der Mensch die Pflicht, ihnen das Zufügen von Leid zu ersparen.

Dies ist allgemeingültig, soweit es nicht dem Wohl des Menschen entgegensteht. Sogenannte Prima-facie-Pflichten und -Rechte dienen dem Schutz von Lebewesen dem ersten Anschein nach, so lange kein rationaler Grund für eine anders geartete moralische Pflicht eintritt.

Am Beispiel eines Huhns ist leicht nachvollziehbar, dass ein Huhn, dass unter beengten Bedingungen in Massentierhaltung leidet, ein Recht auf bessere Lebensbedingungen haben sollte und auf Gesetze zur Haltung von (Nutz-)Tieren, die ihm ein Leben ohne Leid ermöglichen. Aber welche Berücksichtigung finden Pflanzen? Nach gängigem Vorstellungsvermögen empfindet eine Pflanze keinen Schmerz und benötigt dementsprechend über das Pathozentrische hinaus gehende Argumente, die ihren Schutz rechtfertigen.

Richtet man sein Augenmerk daher auf alles Lebende, umfasst man zum einen die Pflanzen und fügt zum anderen in der Frage nach der Schutzverpflichtung das Ziel des artgerechten Lebens hinzu. Für die Haltung von Tieren bedeutet dies z.B. ausreichende Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit für artspezifisches Verhalten. Das Huhn findet und pickt auf diese von Biozentrikern vertretene Sichtweise hin Samenkörner auf, die ihrerseits unter schutzwürdigen Bedingungen wachsen und reifen konnten. Aber was ist mit nicht-lebenden Dingen, wie z.B. Steinen?

Steine können weder Schmerz empfinden noch sind sie lebendig, sie existieren einfach. Reicht ihr bloßes Dasein aus, um ihnen Schutzwürdigkeit zuzugestehen?

Betrachtet man das gesamte Ökosystem holistisch, so kommt man um das Eingeständnis nicht herum, dass nach wie vor umfassendes Wissen über die Komplexität der ökologischen Zusammenhänge fehlt.  Trotz allen Fortschritts herrscht ein Mangel an Wissen über die Abhängigkeit des Menschen von der Natur und die Folgen der Eingriffe des Menschen für die Natur.

Kehren wir daher zurück zum Huhn. Das Huhn nimmt mit der Nahrung kleine Steinchen auf, mit deren Hilfe diese im Magen zermahlen wird, um ihre Verdauung zu befördern. Dies zeigt exemplarisch, dass die Existenz und die Funktion der Steinchen ausreichen, um auch sie im Rahmen eines gesamten ökologischen Lebenzusammenhangs unter den Schutz der Umwelt zu stellen.

Die gesamte Biosphäre umfasst ein komplexes System miteinander verknüpfter Organismen, die in ständiger Wechselwirkung mit organischen und anorganischen Stoffen stehen. In ihrem Zusammenwirken besitzen alle Objekte eigene moralische Werte, welche die Verpflichtung beinhalten, sie um ihrer selbst willen zu schützen sowie das Recht ihnen gegenüber wahrzunehmender Verantwortung.

Da der Mensch nicht alle Zusammenhänge der Natur erfassen kann, tut er gut daran, ihr Achtung entgegen zu bringen und sich zu ihrem Schutz um ihrer selbst willen verpflichtet zu fühlen.

Hat der Mensch die Pflicht, die Natur um ihrer selbst willen zu schützen?
Markiert in:            

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.