Prof. Dr. Dr. Elmar Nass, Professor für Wirtschafts- und Sozialethik an der WLH Fürth

Für die aktuelle Flüchtlingskatastrophe gibt es manche mehr oder minder gute Lösungsvorschläge, aber keine Patentlösung. Vor allem gibt es zahllose Perspektiven, Gründe und Ansatzpunkte. In dieser Komplexität beschränke ich mich hier auf die Frage der Verantwortung Deutschlands.

Grundlage gesellschaftlicher Verantwortung ist die Ordnungsidee Sozialer Marktwirtschaft. Darauf berufen sich inzwischen alle möglichen politischen Kräfte mit gegensätzlichen Inhalten. Das stiftet viel Verwirrung. Damit diese Referenz aber gehaltvoll sein kann, erinnere ich an Grundideen ihrer Väter. Aus einem ausdrücklich christlichen Bekenntnis waren diese sich angesichts der Schrecken der Nazi-Herrschaft  einig, dass die Gesellschaft im Ganzen dem Menschen zu dienen hat. Christlicher Humanismus ist die moralische Grundlage. In diesem Geist kann und soll nach Alfred Müller Armack Soziale Marktwirtschaft eine eirenische Funktion übernehmen: Sie ist eine visionäre Idee des sozialen Friedens. Starke und Schwache sollen sich nicht bekämpfen, sondern in einem Geist gegenseitigen Vertrauens jeder seine ihm gebotene Verantwortung in einem Bewusstsein der Zusammengehörigkeit übernehmen.  Daraus wird die Notwendigkeit von Eigen- und Sozialverantwortung abgeleitet, die jeder nach Kräften zu übernehmen hat.

Das heißt für die aktuelle Flüchtlingsfrage: Wir erleben einen großartigen Geist der Hilfsbereitschaft und Willkommenskultur. Nicht allein staatlich organisiert, sondern eigenverantwortlich hat sich eine Welle der Hilfsbereitschaft in Deutschland ausgebreitet. Das ist großartig. Darauf dürfen wir in Deutschland stolz sein, denn das steht unserer humanistischen Kultur Sozialer Marktwirtschaft gut zu Gesicht. Dazu gibt es keine Alternative.  Soziale Verantwortung muss auf der anderen Seite auch Grenzen berücksichtigen. Der eher linke Sozialethiker Peter Ulrich erinnert in Anlehnung an Adam Smith daran, dass dem Menschen neben seiner altruistischen auch eine egoistische Natur innewohnt. Selbst wenn wir uns das wünschen würden: Deutschland ist kein Land von 80 Millionen selbstlosen Altruisten. An einer solchen Utopie vom Menschen ist der Kommunismus gescheitert. Es muss bedacht werden, dass die Stimmung auch kippen kann. Dies mit in den politischen Entscheidungen zu berücksichtigen, ist auch ein Beitrag sozialer Verantwortung, und zwar grade auch im Sinne und zum Wohle der Menschen, die bei uns jetzt Hilfe suchen.  Wir müssen weiter fragen, welchen Inhalt die moralische Wertegrundlage des Zusammenhalts haben kann in einer schon jetzt entchristlichten Gesellschaft. Dabei ist klar, dass es keine Toleranz geben darf gegenüber den Feinden der Freiheit, seien dies politisch oder religiös Fanatisierte.

Flüchtlingsfrage aus Sicht Sozialer Marktwirtschaft

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