Karl-Josef Laumann, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, Patientenbeauftragter und Pflegebevollmächtiger der Bundesregierung

Eine gute und funktionierende Sozialpolitik braucht ein festes Wertefundament. Die Würde des Menschen, Solidarität und Subsidiarität sind dafür unverzichtbare Säulen. Ohne die christliche Ethik und Soziallehre sind sie undenkbar. Unser Gemeinwesen ist nach der unvorstellbaren Katastrophe des Nationalsozialismus, des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs ganz bewusst auf christlichen Werten gebaut worden. Maßgeblich verantwortlich dafür war Konrad Adenauer. Er hat 1946 in seiner berühmten Rede in der Kölner Universität auf eine wichtige Erkenntnis hingewiesen. Sie ist heute noch genauso aktuell wie damals: Staat, Wirtschaft und Kultur sind kein Selbstzweck. Sie haben eine dienende Funktion gegenüber den Menschen. Das gilt erst recht für die Sozialpolitik.

Die Würde des Menschen zeigt sich in allen Bereichen der Sozialpolitik, etwa in der Arbeitsmarktpolitik. Auch die Arbeit, die von den Menschen geleistet wird, hat Würde. Und eine angemessene Bezahlung ist Ausdruck dieser Würde. Dagegen wird verstoßen, wenn Löhne gezahlt werden, von denen selbst Vollzeitbeschäftigte nicht leben können. Daher habe ich mich nachdrücklich für den gesetzlichen Mindestlohn eingesetzt. Es ist richtig und gut, dass wir ihn seit dem 1. Januar 2015 haben.

Die Würde des Menschen zeigt sich auch darin, dass derjenige, der sein Leben lang hart gearbeitet hat, später nicht in die Altersarmut fallen darf. Langjährige Beitragszahlungen müssen sich auch für Geringverdiener lohnen. Darüber hinaus sollten Rentner, die im Alter freiwillig weiterarbeiten, künftig auch eine höhere Rente erhalten.

Und wir müssen die Würde des Menschen gerade auch dann bewahren, wenn er pflegebedürftig und auf fremde Hilfe angewiesen ist. Ziel muss es sein, Pflegebedürftigen ein Leben zu ermöglichen, das so selbstbestimmt wie möglich ist. Darum haben wir als Bundesregierung zum Januar 2015 beispielsweise eine Reihe von Verbesserungen und Erleichterungen bei der Inanspruchnahme von Kurzzeit-, Verhinderungs-, Tages- und Nachtpflege umgesetzt. Damit entlasten wir deutlich gerade auch die Familienangehörigen, die sich selbst um die Pflegebedürftigen kümmern und tragen zur Stärkung der Familie als Keimzelle der Gesellschaft bei.

Alleine diese drei Beispiele zeigen, wie allgegenwärtig christliche Werte und die christliche Sozialpolitik in der deutschen Sozialpolitik verankert sind. Und wir sind gut beraten, daran festzuhalten. Meine feste Überzeugung ist: Wir brauchen die christliche Ethik, um auch in Zukunft eine menschen-, lebens- und liebenswürdige Gesellschaft zu gestalten, die sowohl den Einzelnen als auch die Gesellschaft als Ganzes im Blick hat.

Ihr

Karl-Josef Laumann

Eine gute Sozialpolitik braucht die christliche Ethik
Markiert in: