Johannes Hilgert, Masterstudent im Studiengang Gesundheitswirtschaft und Ethik an der Wilhelm-Löhe-Hochschule.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass durch einen weltweiten Hackerangriff auch Krankenhäuser betroffen wurden und dadurch Arbeitsabläufe gestört wurden.[1] Sofort drängt sich die Frage auf, ob wir durch das Speichern von Patientendaten auf Computern und zunehmende Übermittlung von sensiblen Daten über das Internet, beispielsweise bei der sogenannten Telemedizin, ein zu großes Risiko in Kauf nehmen.

Dabei ist in Deutschland die Digitalisierung im Gesundheitswesen im Vergleich mit anderen Nationen nicht sehr weit vorangeschritten. Als Beispiel sei die schleppende Einführung der elektronischen Gesundheitskarte genannt, welche die Versichertenkarte ersetzen wird und verschlüsselte Informationen über unseren Gesundheitszustand enthalten wird. Diese Verzögerung steht im Gegensatz zu der Akzeptanz der digitalen Entwicklung, wobei 8 von 10 Bundesbürger durch Digitalisierung im Gesundheitswesen Vorteile sehen.[2]

Es ist zwar anzunehmen, dass eine fortschreitende Digitalisierung den Gesundheitssektor angreifbarer macht, wie im eingangs erwähnten Beispiel, jedoch möchte ich an dieser Stelle den Gedankengang in eine ganz andere Richtung lenken und die Frage stellen:

Darf man Patienten und Mitbürgern den Zugang zu elektronisch assistierter Gesundheitsfürsorge verwehren?

Betrachten wir beispielhaft das Thema Arzneimittelsicherheit. Wechselwirkungen sind bei gleichzeitiger Einnahme mehrerer Wirkstoffe ein ernstzunehmendes Risiko und es gibt deshalb inzwischen umfangreiche elektronische Datenbanken, die bereits erforschte Wechselwirkungen speichern. Nimmt man einmal an, dass ein Ärzteteam bei 100.498 verkehrsfähigen Arzneimitteln (Stand 2016, [3]) insgesamt in Deutschland, unmöglich jede Wechselwirkung berechnen kann, drängt sich der Gedanke auf, dass ein Computersystem hierbei unterstützen kann. Und wäre es nicht folgerichtig, dass diese Datenbank durch jede abgefragte Wirkstoffkombination dazulernt, um Ärzte wiederum darauf hinzuweisen, wenn bestimmte Kombinationen von Arzneimitteln sehr häufig abgefragt werden, zu denen es bislang keine ausreichenden Studien gibt?

Vor über hundert Jahren, als das sterile Operieren mit Handschuhen neu etabliert wurde, bemerkte der versierte Chirurg Theodor Billroth: „Mit reinen Händen und reinem Gewissen wird der Ungeübteste jetzt weit bessere Resultate erzielen als früher der berühmteste Professor der Chirurgie.“

Heute blicken wir mit berechtigtem Unverständnis auf die Zeit, als ohne Handschuhe operiert wurde. Es ist nach meiner Einschätzung gut möglich, dass wir in einigen Jahren das gleiche Unverständnis für die Patientenbehandlung ohne digitale Assistenz verspüren werden.

 

[1] http://www.faz.net/aktuell/weltweite-attacke-cyberattacke-legt-krankenhaeuser-lahm-15013162.html

[2] https://www.tk.de/tk/mediathek/grafiken/gesundheitssystem/660716

[3] https://www.abda.de/fileadmin/assets/ZDF/ZDF_2016/ZDF_16_23_In_D_zugelassene_Arzneimittel.pdf

 

Digitalisierung der Gesundheit im Zeitalter von globalen Hackerangriffen

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