Martin Oppelt, WLH-Student im Studiengang: Gesundheitsökonomie und Ethik 

Um zu entscheiden, ob die aktive Sterbehilfe befürwortet werden kann oder nicht, ist es unumgänglich, zuerst den Wert des Lebens festzustellen, welches beendet werden soll.

Dass unser aller Leben als Menschen überhaupt einen höheren Wert hat – unter Ausschluss des Selbsterhaltungstriebs – ist in erster Linie eine freie Behauptung. Je nach Sichtweise über Wert und Würde des Menschen werden Rechtfertigungen für den je eigenen Standpunkt aufgezeigt: Weil Gott es so vorgibt, weil der Mensch viel Erfahrung oder Talent in sich trägt, weil der Mensch geliebt werden kann, usw. Dennoch bleibt es vorerst eine Behauptung.

Eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland sind Krebsleiden. Das Dahinscheiden an jenen Krankheiten im Endstadium ist geprägt von starken Schmerzen, heftigen Übelkeitsattacken, Erbrechen und allgemeinem Kraftverlust. Alles, was die westliche Medizin tun kann, ist, mit Opioiden die Schmerzen zu lindern. Dadurch werden aber unter Umständen neue Leiden erzeugt. Eine Heilung ist in diesem Stadium meist ausgeschlossen.[1]

Menschen, welche nicht mehr geheilt werden können, furchtbare Symptome ertragen müssen und daraufhin sterben wollen, haben in Deutschland ein schweres Los gezogen.

Hier wird es für richtig erklärt, diese Patienten vorzugsweise mit Betäubungsmitteln bis in die Besinnungslosigkeit zu treiben. Als falsch betrachtet man es, sie auf ihren eigenen Wunsch hin pietätvoll zu erlösen.

Es wird sich dabei häufig darauf berufen, die Würde des Menschen nicht angreifen zu wollen. Eine schwache Begründung, da doch niemand genau weiß, was die Würde eigentlich ist. Selbst wenn sie akzeptiert wird, dann wäre man immer noch erst einmal wieder bei einer bloßen Behauptung, dass der Mensch eine solche Würde überhaupt hat. Wenn in der Diskussion auch das aufgearbeitet ist, bleibt noch die Frage, mit welchem Verhalten wir dieser Würde unserer Nächsten gerechter werden: Indem wir sie auf ihren eigenen Wunsch hin ums Leben bringen, oder indem wir ihnen das Sterben verweigern, um sie daraufhin mit Opioiden und ein paar tröstenden Worten alleine zu lassen.

Um einer rein weltlichen Sichtweise zu folgen: Menschen werden von Menschen gezeugt, von Menschen zur Welt gebracht und erzogen. Sie werden von Menschen gepflegt, wenn sie krank oder alt werden. Sollten sie dann nicht auch von Menschen erlöst werden dürfen, wenn die Zeit dafür gekommen ist?

Der freie Wert des Lebens
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4 Gedanken zu „Der freie Wert des Lebens

  • 5. November 2015 um 18:49
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    Herr Martin Oppelt ist WLH-Student im Studiengang: „Gesundheitsökonomie und Ethik“ .
    Er befürwortet in seinem Beitrag die aktive Sterbehilfe. Zur Begründung seiner Position will er einer „rein weltlichen Sichtweise…folgen“. Seine relativierende Sichtweise vom Wert des Lebens bzw. der Geltung der Menschenwürde (vgl. Art.1 GG) und der benannten Grundposition begründet der Gesundheits- und Ethik-Student mit keinem Argument-noch erwähnt er ethische bzw. medizinethische Argumente (z.B. der Palliativ-Medizin) in Auseinandersetzung mit seiner Position. Eine persönliche Position zu äußern ist jedem unbenommen. Auch ich hoffe, dass mir die von Hr. Oppelt angesprochene Situation des „Dahinscheidens“ im Endstadium eines Krebsleidens erspart bleiben möge. (Die christliche Tradition kennt nicht von ungefähr schon immer das Gebet um eine gute Sterbestunde, was für mich und viele Menschen auch heute noch [oder soll ich sagen: wieder] sinnvoll ist- eine starke Hoffnungsperspektive!) Meine Hilfeerwartung an Mitmenschen und Medizin besteht natürlich für den Fall der Fälle , aber anders, ganz im Sinne der real gegebenen oder in der aktuellen (medizin-)ethischen Diskussion geforderten Möglichkeiten. Auseinandersetzung tut allerdings not, will man öffentliche Geltung der eigenen Position im (medizin-)ethisch-normativen Sinne coram publicum beanspruchen. Und das tut Herr Oppelt, vielleicht unbewußt, wenn er fordert: „Sollten sie [Menschen]dann nicht auch von Menschen erlöst werden dürfen, wenn die Zeit dafür gekommen ist?“
    Ich empfehle ihm und den Leser/n/innen des Blogs den am 2.11.2015 in der FAZ, S. 8, und in der online Ausgabe FAZ.net veröffentlichten Artikel „Ein unmoralisches Angebot“ von PD Dr. Stephan Sahm (Chefarzt am Offenbacher Ketteler-Krankenhaus, Tumorspezialist und Palliativmediziner sowie Dozent für Ethik in der Medizin (Uni München). „Die Befürworter ärztlicher Suizidhilfe sind selten um Argumente verlegen. Doch was taugen sie? Oft erweist sich genau das Gegenteil dessen als richtig, was auf den ersten Blick keinen empirisch oder ethisch begründeten Widerspruch duldet. Beispiele gefällig? PD Dr. Stephan Sahm hat mehr als genug gesammelt“, (heißt es im Artikel-Vorspann der FAZ a.a.O).
    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/sterbehilfe-ein-unmoralisches-angebot-13887916.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    Wenn man vielleicht auch nicht jeder einzelnen Aussage in vorgenanntem Artikels folgen mag, die Fülle der Argumente und die Gesamtrichtung der Argumentation können mich in der Ablehnung einer aktiven Sterbehilfe bzw. eines assistierten Suizids, in der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion nur noch mehr bestärken. (Wie viele bin ich gespannt am 6.11.15 auf die abschließende Beratung und Beschlussfassung zum Gesetzesverfahren dieser Themen).
    Ebenfalls kann ich zur Lektüre und Auseinandersetzung die Dokumentation empfehlen zum „10. Paderborner caritas.diskurs Ethik“ (15.9.15): „Assistierter Suizid Sollen wir sterben wollen? Ethische Problematisierung eines Paradigmenwechsels“
    http://www.caritas-paderborn.de/fuer-experten/10.-caritas-diskurs-ethik
    (Link redaktionell aktualisiert)
    Vielleicht möchte Herr Oppelt die ethische Diskussion ja in seinem Studiengang führen und lernt in der angesprochenen Literatur neue Aspekte kennen. Es würde mich freuen !

    Josef Krautkrämer
    Referent für Bildungsfragen und Ethik im DiCV Paderborn

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  • 9. November 2015 um 17:26
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    Hallo Herr Krautkrämer. Vielen Dank für Ihren Auftakt der Diskussion.
    Um Missverständnisse zu vermeiden, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der Text primär nicht von meiner Sichtweise überzeugen, sondern lediglich Fragen aufwerfen und einige bestehende Fakten widerspiegeln will.
    Natürlich ist es aus einer befürwortenden Einstellung zum Thema Sterbehilfe heraus geschrieben. Diese ist zu einem wesentlichen Teil das Resultat meiner vergangenen Tätigkeit als Therapeut, aber auch das der Recherche und vorangegangenen Diskussionen.
    Ich bin Ihrer Empfehlung gefolgt und habe mich mit dem Artikel der FAZ befasst. Dieser versucht z.T. die Pro-Argumente der aktiven Sterbehilfe zu entkräften, aber es gelingt ihm nur in wenigen Fällen stichhaltig. Oft scheinen mir dort Gedanken entweder noch nicht ganz ausgereift, oder zumindest nicht zu ende formuliert worden zu sein. Dennoch teile ich Ihre Empfehlung an die Leser dieses Blockes, dort weitere Eindrücke zu diesem Thema zu suchen.

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  • 15. Dezember 2015 um 17:17
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    Ich finde es schrecklich mit an sehen zu müssen, wie ein Mensch qualvoll stirbt, und ich habe leider schon viele Menschen sterben sehn. Noch viel schlimmer ist es, wenn die Person sich nicht mehr bemerkbar machen kann, dennoch bei vollem Bewusstsein ist und ständig das Gesicht wegen Schmerzen verzieht, trotz starken Medikamenten. Ich bin FÜR die Sterbehilfe!!! Jeder Mensch hat das Recht auf ein Würdevolles Leben, warum dann nicht auf einen Würdevollen Tod?! Menschen mit aller Gewalt künstlich am Leben zu halten ( ist das ein Leben?) halte ich für reine Folter! Es ist doch nur ein dahinsiechen und ein längeres warten auf das Ende das sowieso kommen wird.
    Was ist Mord? Sterbehilfe bei einem 90 Jährigen oder Abtreibung eines Kindes???
    Im Artikel 1 des Grundgesetzes steht geschrieben: Die Würde des Menschen ist unantastbar! Dies schien bislang nur so lange von Relevanz zu sein wie der Mensch gesund, agil und arbeitsfähig war. Ich hoffe inständig, dass auch hier in Deutschland künftig aktive Sterbehilfe erlaubt sein wird! Diese Änderung einer völlig unverständlichen, veralteten und absolut unwürdiger bislang gültiger Regelung ist meht als überfällig!!!

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  • 27. April 2017 um 21:16
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    Ich bin grundsätzlich gegen aktive Sterbehilfe

    Zu schnell ist die Begrifflichkeit als Beihilfe zum Suizid übersetzt.
    Nach meinem persönlichen Verständnis und nach meinen Erfahrungen ist jeder Mensch, sogar vermeintliche Fachleute auf diesem Gebiet, wie Theologen und Mediziner, mit diesem Thema überfordert. Ich glaube, dass sich jeder durch Tabuisierung der aktiven Sterbehilfe vor etwas schützt, was man nicht in seinen Kopf lassen will.

    Jedoch werden in Deutschland täglich Menschen genau damit konfrontiert. In diesen Spezialfällen muss meiner Meinung nach ein Spielraum gewährt werden, der allen Akteuren einen individuellen “würdevollen Tod”[Christina, 15.Dez 2015] des todgeweihten Angehörigen/Patienten/Freundes/Glaubensgenossen ermöglicht.

    Johannes Hilgert, Masterstudengang GwE Fürth, Humanmediziner

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