Alisa Hemberger, Stipendiatin des Deutschlandstipendium

Alle 3,2 Sekunden erkrankt ein Mensch auf der Erde an einer Form der Demenz. Mittlerweile sind laut dem Welt-Alzheimer-Bericht in Deutschland 1,5 Millionen und weltweit knapp 47 Millionen Menschen davon betroffen. Betrachtet man nun den demographischen Wandel, der sich in einer immer älter werdenden Gesellschaft ausdrückt und berücksichtigt man die Tatsache, dass Demenz vor allem im höheren Alter auftritt, so wird schnell deutlich, dass diese Krankheit in unserer Gesellschaft eine immer wichtig werdende Bedeutung erfährt. Nicht nur aus finanzieller, sondern vor allem aus gesellschaftlicher Sicht.

Viele Angehörige stehen oftmals vor der schwierigen Entscheidung, in welcher Form einer stationären Einrichtung sie ihr an demenzerkranktes Familienmitglied unterbringen sollen, sobald sie nicht mehr in der Lage sind, diese alleine zu pflegen. Oftmals werden sie zudem mit vielen Fragen und Problemen konfrontiert. Sie haben das Gefühl, ihren Demenenzerkrankten abzuschieben und wissen gleichzeitig nicht, ob dieser adäquat versorgt und ob auf seine individuellen Wünsche eingegangen werden kann.  Eine innovative Einrichtungsform, die es in Deutschland leider viel zu selten gibt, ist das sogenannte Demenzdorf. Es befindet sich in Tönebön am See und zeichnet sich durch ein neuartiges Konzept der Demenzversorgung aus, das sich am ersten Demenzdorf in den Niederlanden orientiert.  Insgesamt haben die Bewohner in Tönebön am See die Möglichkeit in einem von vier Häusern zu wohnen, die sich durch ihren eigen Stil und Charakter auszeichnen und so die Individualität der einzelnen Bewohner fördern. Ein weiterer Vorteil dieses Dorfes besteht darin, dass die Menschen mit Demenz aktiv in den Alltag einbezogen werden und somit weniger Medikamente zum „ruhig-stellen“ benötigen. Gemeinsame Aktivitäten liegen hierbei  beispielsweise im Backen, Kochen oder Waschen. Dadurch wird ein Stück Normalität sichergestellt und es wird zugleich deutlich, dass anders als in traditionellen stationären Einrichtungen der Tagesablauf weitestgehend von den Bewohnern und nicht von den Pflegern bestimmt wird.

Trotz der vielen positiven Faktoren, die diese neuartige Wohnform bietet, existieren einige Kritikpunkte. Laut Kritiker erzeugt der Zaun, der die Dorfanlage mit seinen Bewohnern eine beschützte Atmosphäre garantieren soll, einen Gefängnischarakter. Weiterhin werden die Menschen mit Demenz von der Außenwelt abgeschottet. Diese Punkte können meiner Meinung nach schnell entschärft werden. Demenzpatienten können im „realen Leben“ leicht in gefährliche Situationen geraten, beispielsweise im Straßenverkehr. Somit verhindert der Zaun dieses Risiko und durch die weitläufige Anlage haben die Bewohner trotzdem die Möglichkeit sich überwiegend frei zu bewegen ohne dass die Gefahr besteht, dass sie sich oder andere gefährden. Weiterhin verfügen einige stationäre Einrichtungen ebenfalls über eine geschlossene Abteilung, in der die Patienten von der Außenwelt abgeschottet werden. Das Besondere am Demenzdorf liegt darin, dass die Bewohner zwar nicht die Möglichkeit haben, die Anlage alleine zu verlassen, sie jedoch innerhalb dieser genügend Möglichkeiten haben, ihren Alltag individuell gestalten zu können und das in einer Wohlfühlatmosphäre.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass die Krankheit Demenz in den nächsten Jahren eine immer größer werdende Herausforderung für unsere Gesellschaft darstellt und dass es meiner Meinung nach bislang ungenügende Konzepte für eine adäquate Unterbringung gibt. Somit stellt für mich das Demenzdorf einen ersten Schritt in die richtige Richtung dar. Sollte es in meiner Familie zu einer Demenzerkrankung kommen und ich selbst könnte die alleinige Pflege nicht schaffen, so wäre ich über ein Demenzdorf in meiner Umgebung froh. Häufig kommen die Patienten aufgrund des Pflegemangels in traditionellen stationären Einrichtungen zu kurz, wohingegen im Demenzdorf individuell auf die Bewohner eingegangen werden.  Trotz der dortigen guten Betreuung sollte man aber dennoch auf regelmäßige Besuche zu seinen Angehörigen Wert legen und sich nicht allein auf die gute Pflege verlassen. Selbst wenn Menschen mit Demenz sich vielleicht nicht mehr an ihre Familie erinnern können, so ist es für uns dennoch eine Pflicht, den persönlichen Kontakt aufrechtzuerhalten und so viel Zeit mit unseren Lieben zu verbringen, wie es uns möglich ist.

Demenzdörfer
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