Prof. Dr. Stephan Rothlin SJ, University of International Business and Economics (UIBE) Peking, Generalsekretär des Centers for International Business Ethics (CIBE)

Unmöglich ist es, so wird immer wieder behauptet, in China Geschäfte zu machen, ohne Schmiergeldzahlungen zu tätigen. Es ist zunächst sicher wichtig den zwiespältigen Charakter wahrzunehmen, wie “CSR”, “Corporate Social Responsibility” von Firmen benützt wird, um das öffentliche Image aufzubessern. Nichts scheinen Firmen mehr zu fürchten wie negative Schlagzeilen. Und da muss geradezu in die Augen springen, wie verlogen die Beteuerungen von jenen multinationalen Konzernen wie auch Klein- und Mittelbetriebe klingen, welche einerseits CSR in ihren Stammländern auf ihre Fahne geschrieben haben, dann aber in sogenannten Schwellenländern Asiens nicht zögern, Schmiergeldzahlungen zu tätigen, geltende Umweltgesetze zu missachten und etwa bei Sweat-Shops ihrer Zulieferer beide Augen zudrücken. Nun scheint sich in den letzten Jahren in diesem Bereich doch einiges verbessert zu haben: Der Druck auf die Firmenbesitzer von Schuhfabriken, Kleiderindustrien, Elektronikindustrie etc. hat sicher bewirkt, dass sich Arbeitsbedingungen in Schwellenländern wie China zum Teil drastisch verbessert haben. Auch besteht kein Zweifel, dass die gegenwärtige Regierung von China es ernst meint in der Bekämpfung von Korruption. Momentan wird gerade im staatlichen Fernsehen, China Central Television (CCTV), mit dem eisernen Besen gekehrt, nachdem inzwischen für jede und jeden klar wurde, wie zutiefst verlogen und korrupt das Informationsmonopol für private Zwecke missbraucht wurde.

So ist es zunächst wichtig zu wissen, dass aufgrund der geltenden Gesetze die Praxis von Schmiergeldzahlungen sowohl zum Bankrott von Firmen wie auch zu einem Zusammenbruch der eigenen Karriere führt. Es scheint mir deshalb notwendig zu sein, dass sich sowohl Firmen wie auch Manager, die in China Geschäfte tätigen wollen, die Konsequenzen von Korruption mit Fallstudien gründlich analysieren. Dabei gilt es auch zu berücksichtigen, wie man sich im Markt positionieren will: sieht man sich als zuverlässiger Partner, der in China letztlich zu einer nachhaltigen ökonomischen Entwicklung beitragen wird oder erkennt man letztlich seine eigene Fratze von dem, der letztlich ein einseitig negatives Bild von einem korrupten China hat und deshalb letztlich auch keine Skrupel hat, Schmiergeldzahlungen zu tätigen, Löhne nicht fristgerecht auszuzahlen oder nichts gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen zu tun?

Dabei gilt es zu bedenken, dass europäische Firmen in der Regel in China einen recht guten Ruf haben. Seit 2004 gilt zufolge einiger Statistiken die EU als wichtigster Handelspartner von China. So denke ich, dürfte es als Gebot der Stunde gelten, die lebenswichtigen Züge in der gegenwärtigen Anti-Korruptionskampagne zu sehen und in der konkreten Umsetzung als zukunftsweisend zu erfahren.

Anti-Korruption im Kontext von China