Shirin Haumann, Ethikkurs Gymnasium Weilheim

Ein kleiner Junge in einer blauen Jacke steht neben dem Kühlregal, er weint und ruft nach seiner Mutter. Leute mit vollen Einkaufswägen laufen vorbei.  Keiner bleibt stehen um den kleinen Jungen zu trösten und seine Mutter zu suchen. Die Lautsprecher im Supermarkt knacken, die Verkäuferin bittet darum, dass Daniel, ein dreijähriger Junge mit blauer Jacke, bitte zur Information gebracht werden solle, seine Mutter warte dort. Die Leute fangen an, beim Vorbeilaufen den Jungen anzustarren, um dann wieder schnell wegzusehen. Nach zwei Minuten bleibt endlich eine Frau mittleren Alters vor dem Jungen stehen, redet kurz auf ihn ein und nimmt ihn dann an die Hand, um ihn nach vorne zum Informationsstand zu bringen.

Ich frage mich, warum die anderen Leute, die vorbeikamen, nicht geholfen haben. Ich frage mich, warum die Frau überhaupt geholfen hat, wenn doch alle anderen einfach vorbeigelaufen sind. Warum helfen wir überhaupt anderen Leuten, wenn wir dafür nicht mehr als ein glückliches „Danke!“ bekommen? Es gibt viele Menschen die so selbstlos helfen, ohne jemals etwas zu bekommen. Also warum tun sie das, warum sind sie so altruistisch?

Die Wissenschaft behauptet, dass es selbstloses Handeln ohne eine Gegenleistung zu erwarten, nicht gibt.

Die Ethik stimmt in diesem Punkt mit der Wissenschaft überein: Helfen ist immer Egoismus, da man primär immer auf Belohnung hofft und erst sekundär an das wirkliche Helfen. Dann hat die Frau also dem Kind im Supermarkt nur geholfen, um sich selbst zu helfen?

Das wage ich einmal zu bezweifeln, denn was wäre denn ihr Vorteil an der Sache? Steigerung in der gesellschaftlichen Anerkennung wohl eher nicht, da die anderen Leute ja auch nicht geholfen haben.

Warum haben aber nun die anderen Leute nicht geholfen?

Die Leute helfen entweder nicht, weil es zu viele „Zeugen“ gibt und sie somit weniger Verantwortung tragen dem Bedürftigen helfen zu müssen, also ganz nach dem Motto „ da wird schon Irgendwer helfen, wenn da so viele Leute sind“. Oder eben: „Wenn die Anderen nicht helfen, muss ich das ja auch nicht, weil es sich ja offensichtlich nicht um einen Notfall handelt“, ganz das Motto Herdentrieb. Das würde dann teilweise, zumindest aus der Sicht der Psychologen, erklären, warum wir in manchen Fällen einfach nicht helfen.

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du dir wünschst für diese Welt“, hat Gandhi einmal gesagt. Diese These besagt also auch, dass wenn man Hilfe in der Not haben möchte, anderen auch helfen sollte, so in der Art „Wie man in den Wald ruft, so schallt es wieder heraus“. Also sehen selbst die Philosophie und der Volksmund keine Hoffnung für die Altruisten.

 Aber wäre das nicht eigentlich eine schöne Vorstellung: Eine Welt in der jeder Jedem hilft, ohne auf Profit zu hoffen? Wie wäre es wenn wir alle beim Helfen als erstes an die Anderen und dann an uns denken würden? Wären wir Menschen dann nicht ein kleines bisschen netter zueinander? Und vor Allem: Würden denn dann nicht auch mehr Leute Hilfsbedürftigen helfen und die Welt wäre gerechter?

Altruismus
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Ein Gedanke zu „Altruismus

  • 22. Oktober 2015 um 18:35
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    Interessant… Wir sind als Menschen soziale Wessen und deswegen angewiesen steht’s im Beziehungen zu andere Menschen zu stehen… Aber die Menschen sollen alle Egoisten sein. So wie ich es begreife ist beides zur gleichen Zeit möglich, so wie Gut und Böse zur selben Zeit existieren kann, kann auch Altruismus und Egoismus zwei Seiten derselben Medaille sein. Wir können sowohl Altruisten als auch Egoisten Zeit unserem Leben sein. Konkret: Wir sind als Altruisten in eine Familie oder Gemeinschaft zur Welt gekommen aber da wir nur dann Überleben und unsere Bedürfnisse erfüllt bekommen wenn wir dies verlangen werden wir zu Egoisten. Die Anderen sollen unsere Bedürfnisse erfühlen und dafür scheint irgendwann allen Mitteln recht zu sein. Aber am Ende werden wir doch einsehen müssen dass nur das Leben in eine Gemeinschaft uns vor Einsamkeit und Unglücklich sein, retten kann.

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